2018 gingen circa 490 Millionen Artikel wieder zurück – meistens kostenlos. Eine verpflichtende Gebühr könnte helfen, das haben Versandhändler bei einer Umfrage mitgeteilt. Die Überraschung: Unterm Strich könnte das Bestellen dadurch günstiger werden.

Etwa jede sechste Bestellung in Deutschland geht an den Versender zurück – allein 2018 waren das rund 280 Millionen Pakete, das sind 490 Millionen Artikel, schätzen Forschende der Universität Bamberg. Ihre Umfrage hat ergeben, dass eine Gebühr von 2,95 Euro für 16 Prozent weniger Retouren sorgen könnte. Im Versandhandel könnten rund 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Voraussetzung für dieses Szenario, ist eine gesetzliche Verankerung der Gebühr, also eine verpflichtende Retourgebühr.

Das ist das Ergebnis der Teilauswertung einer größeren Befragung namens Retourentacho des Lehrstuhls Produktion und Logistik, die 2018 und 2019 durchgeführt wurde. Händler mit einem Umsatz von insgesamt 5,5 Milliarden Euro sind dafür befragt worden. Das Ergebnis selbst ist nicht frei zugänglich, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Pascal Fischer. Einige Details haben die Forschenden in einer Pressemitteilung veröffentlicht.

"Riesen wie Amazon können sich Gratis-Rücksendungen leisten – und setzen damit kleine Händler unter Zugzwang. Aber viele, die kleiner sind, würden gerne Retourengebühren einführen, trauen sich aber nicht."
Pascal Fischer, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die kostenlose Rücksendung innerhalb von 14 Tagen ist bei vielen größeren Versandhändlern Standard. Das belastet das Klima – zusätzlicher Aufwand ist für den Transport fällig – und die Retourenkosten werden auf alle Bestellenden umgelegt. Unter dem Strich sind die Preise wegen der kostenlosen Rücksendung also höher.

Rücksendegebühr führt zu Preissenkung

Für die Bestellenden hätte eine verpflichtende Rücksendegebühr auch Vorteile. Studienleiter Björn Asdecker sagt, durch eine Rücksendegebühr könnten die Warenpreise sinken. Bisher schlagen die Versandfirmen die Retourenkosten auf die Preise insgesamt auf.

"Deswegen sind wir sogar der Auffassung, dass so eine Rücksendegebühr niedrigere Preise ermöglicht. Und davon können alle Verbraucher profitieren."

Für Kundinnen und Kunden, die bei einer Rücksendegebühr viel retournieren, würde es teurer. Für die, die weniger retournieren, vielleicht günstiger.

Die Höhe der Gebühr setzen die Forschenden auf vergleichsweise niedrige 2,95 Euro. Seit 2014 können Händler freiwillig die Rücksendekosten auf ihre Kundinnen und Kunden übertragen. 74 Prozent der befragten kleineren Versandunternehmen und 53 Prozent der mittelgroßen Händler würden gerne Retourgebühren einführen.

Kritik und Alternativen zur Gebühr

Eine Rücksendegebühr vorzuschreiben, greife die Privatautonomie an und würde mit Europarecht ins Gehege kommen, kritisiert hingegen der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel.

120 Millionen der retournierten Artikel sind Kleidungsstücke, deswegen ließen sich Rücksendungen auch gut auf einem anderen Weg eindämmen: durch sorgfältigere Auswahl auf Seite der Kundinnen und Kunden beim Kleidungskauf – was die Größe betrifft. Das vermutet Patrick Schwalger vom Händlerbund, einem Netzwerk für europaweiten, rechtlich abgesicherten Handel. Die Forschenden aus Bamberg schlagen vor, Kleidergrößen staatlicherseits zu normieren oder eine bessere Vermessung mit Apps zu gewährleisten.

"Wenn man online bestellt und man will ein T-Shirt bestellen, dann kauft man zwei oder drei verschiedene Größen, um dann zu schauen welches passt und die anderen zurückzuschicken."