Ein Forschungsteam aus den USA hat ein neues Implantat entwickelt, das Gehirnsignale in gesprochene Sprache übersetzt. Mit dem Implantat sollen Menschen wieder sprechen können, die ihre Stimme verloren haben.

Durch eine Krankheit die Stimme verlieren: Physiker Stephen Hawking war ein prominentes Beispiel für so einen Krankheitsverlauf. Stephen Hawking konnte aufgrund der Nervenkrankheit "Amyotrophe Lateralsklerose" (ALS) bis zu seinem Tod nur mit einem Sprachcomputer kommunizieren, den er durch das Bewegen seines Wangenmuskels bedient hat. In Zukunft sollen Menschen wie Stephen Hawking mit einem Implantat im Gehirn wieder sprechen können.

Implantat übersetzt Hirnsignale in Sprache

Dazu wandelt das Implantat die Signale im Sprachzentrum in hörbare Sprache um. Zuerst liest es die Signale aus, mit denen das Gehirn Mund, Gaumen und Kehle steuert und bewegt danach einen virtuellen Sprechapparat. Im Anschluss wird die hörbare, akustische Sprache von einem Algorithmus erzeugt.

Der virtuelle Sprechapparat ist als Zwischenschritt wichtig, weil so der Sprechablauf eines gesunden Menschen imitiert wird: Bei einem gesunden Menschen entsteht Sprache, indem das Gehirn mechanische Anweisungen an Mund, Lippen, Kiefer und Zunge sendet. Bewegt dieser den Sprechapparat, wird Sprache erzeugt.

Eine "Prothese" für die Stimme

Das Implantat ist mit einem Computer verbunden und kann so die Hirnsignale des Sprechers auswerten. Anschließend werden die Laute über eine spezielle Sprechapparat-Software ausgespielt. Testpersonen, die sich die Computerübersetzungen der Hirnsignale anhören konnten, haben ungefähr die Hälfte der Sätze richtige verstanden.

"Die Computer-Übersetzung der Hirnsignale klingt noch ein bisschen lallend, trotzdem beeindruckend."
Jenni Gärtner, Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin

Im Rahmen des Forschungsexperiments wurde auch an Epilepsie-Patienten getestet, die eingeschränkt noch sprechen konnten – beziehungsweise noch ihre Lippen bewegen konnten. Derzeit sei es noch unklar, ob Patienten mit einem kompletten Sprachverlust mithilfe der Gehirn-Implantate wieder sprechen können, sagt Tobias Jobke aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion. Wann es zu einem Einsatz der Implantate komme, sei ebenfalls noch nicht absehbar.