Forschende aus der Virologie stehen jetzt im Rampenlicht. Zwei Virologinnen beschreiben ihr Fach - und was die Pandemie für ihre Arbeit bedeutet.

Hauptsächlich kommen derzeit männliche Virologen zu Wort, manche haben als wissenschaftliche Berater eine beachtliche Bekanntheit erreicht: Christian Drosten, Virologe an der Charité, und Alexander Kekulé, Virologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Im Forschungsgebiet Virologie arbeiten auch Frauen, zum Beispiel Nadine Biedenkopf, Universität Magdeburg. Sie sagt, dass Sars-Cov-2 und seine Verbreitung trotz der Bedrohung auch eine interessante Seite hat: "Bei aller Tragik und Tragödie ist für uns spannend zu sehen, wie sich so neuartige Viren ausbreiten und was man dagegen unternehmen kann, welche Forschung dabei hilft." Für Nadine Biedenkopf steht jetzt mehr Geld zur Verfügung.

"Momentan explodiert das Feld, also jeder Virologe oder Immunologe springt jetzt auf Coronaviren."
Stephanie Pfänder, Virologin, Ruhr-Universität Bochum

Stephanie Pfänder, Juniorprofessorin an der Ruhr-Universität Bochum, beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit Coronaviren. Ihr Forschungsgebiet sei nun plötzlich für viele, die in der Virologie arbeiten, von Interesse. "Momentan explodiert das Feld, also jeder Virologe oder Immunologe springt jetzt auf Coronaviren", sagt sie.

Eigentlich spezialisieren sich Forschende in der Virologie in der Regel auf einen Virustyp – oft über Jahre hinweg. Nadine Biedenkopf ist beispielsweise auf das Ebolavirus spezialisiert. Sie sagt, das Wissen über bestimmte Viren könne auch für das Verständnis anderer Viren hilfreich sein. "In vielen Punkten ähneln sich unterschiedliche Viren, und dann ist das ein guter Zeitpunkt, das, was man von Ebolaviren kennt, auf andere Viren anzuwenden."

Sicherheit mit Überdruck

Wer mit solchen hochansteckenden Viren im Labor arbeitet, muss drastische Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigen. Labore, die mit Coronaviren arbeiten wollen, brauchen eine Vielzahl von Genehmigungen. Nicht jedes Institut verfügt über Labore mit einer so hohen Sicherheitsstufe.

Nadine Biedenkopf, die Experimente mit Ebolaviren gemacht hat, erklärt, dass sie bei manchen Arbeiten im Labor aus Sicherheitsgründen in einem Überdruckanzug arbeitet - da kommt nichts rein, selbst, wenn ein Loch im Anzug ist.

"Der Raumanzug ist aufgepustet und damit herrscht ein Überdruck, so dass eigentlich nichts rein kommt – selbst wenn mal ein Loch im Anzug wäre."
Nadine Biedenkopf, Virologin, Universität Marburg

Der wissenschaftliche Alltag besteht allerdings eher aus Schreibtischarbeit, also Planung, Lektüre und Mittelbeschaffung. Um als Virologin zu arbeiten, ist ein Studium die Voraussetzung – Medizin zum Beispiel oder Biologie. Die Virologie gilt als Schnittstelle zwischen beiden Gebieten.