Demos gegen Asylbewerberunterkünfte, Anschläge, rechte Gewalttaten und Fremdenfeindlichkeit gibt es in Ost wie West. Die Bundesregierung wollte aber herausfinden, welche Ursachen dem Rechtsextremismus in Ostdeutschland zugrunde liegen.

Die Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Demokratieforschung sind in die sächsischen Städte Freital und Heidenau und nach Erfurt in Thüringen gefahren. Dort haben sie Fußballspiele, Stadtratssitzungen oder Demos besucht und mit ganz unterschiedlichen Menschen gesprochen. Parallel werteten sie Statistiken aus.

Mangelnde politische Bildung

Das Ergebnis der Untersuchung: Es gibt viele verschiedene Faktoren, und es gibt bestimmte Regionen, in denen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit deutlicher ausgeprägt sind als in anderen. Grund hierfür ist ein Stadt-Land-Gefälle. Vor allem auf dem Land sei die politische Bildung wenig und dafür die Fremdenfeindlichkeit stark ausgeprägt.

Regionalstolz und Sozialneid

In Sachsen habe sich ein starker Regionalstolz in Abgrenzung zu Fremden oder Ausländern entwickelt. Noch zu Zeiten der DDR sei die Gesellschaft eher abgeschottet gewesen. Die Bereitschaft zur Völkerverständigung bestand, aber Gäste sollten keinesfalls für länger bleiben.

Eine weitere Ursache ist ein Sozialneid gegenüber Flüchtlingen, die - aus der Sicht der Bevölkerung - bevorzugt würden im Sinne von "nie war Geld für Sozialprojekte da, für die Flüchtlinge aber schon".

Eine Annäherung zwischen Bevölkerung und Flüchtlingen sei aber auch deshalb schwierig, weil kaum Ausländer in den ländlichen Regionen leben. Dadurch entstehe kein gemeinsamer Alltag, in dem die Menschen miteinander in Kontakt kommen und so die Einheimischen erfahren könnten, dass der Neid unbegründet sei.

Endlich offen diskutieren

In der Studie wird deutlich, dass die Politik genau hier ansetzen und eine Diskussion darüber fördern muss, um rechtem Gedankengut entschieden zu begegnen. Bislang, so die Studie, sind die Probleme totgeschwiegen worden, damit die Regionen keinen Imageverlust erleiden.

Die Menschen hätten laut Studie oft auch keine Lust zu diskutieren, weil sie von Journalisten und Politikern von vorneherein als rechts abgestempelt werden. Deshalb fordert die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke: Regionen fördern, Arbeitsplätze schaffen und Probleme offen ansprechen.