Forschung soll unabhängig sein, doch manchmal drücken die Geldgeber ihren Stempel auf - sowie der Coca-Cola-Konzern.

Lebensmittel- oder Getränkekonzerne fördern die Forschung zu Gesundheitsthemen. Nicht ohne Hintergedanken. Deshalb hat sich ein Forschungsteam unter der Leitung der Cambridge-Wissenschaftlerin Sarah Steele fast 90.000 Seiten an Unterlagen ausgewertet. Die Auswertung der Verträge haben die Wissenschaftler im Journal of Public Health Policy veröffentlicht.

Forschungsvereinbarungen von Coca Cola

Dabei war es für die Wissenschaftler nicht einmal so leicht, an die Unterlagen heranzukommen, denn die sind normalerweise geheim. Die Forscher haben mehr als 100 Anfragen an öffentliche Einrichtungen in den USA, Kanada, Australien, Dänemark und Großbritannien gerichtet. Unter tausenden Dokumenten sind fünf Forschungsvereinbarungen des Coca-Cola-Konzerns aus den Jahren 2010 bis 2015. Darin sind Vereinbarungen mit vier Universitäten in den USA und einer kanadischen Uni enthalten.

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Darin haben sie Vertragsklauseln gefunden, bei denen deutlich wird, dass der Coca-Cola-Konzern nur unter bestimmten Bedingungen Geld gegeben hat. Diese stehen meist nur im Kleingedruckten. Demnach hat sich Coca Cola vorbehalten, Studiendaten vor der Veröffentlichung zu prüfen und zu kommentieren. Eine andere lautet, dass die Uni jegliche Kommunikation rund um die Studie vorher mit dem Konzern absprechen muss. Dagegen hatte dann tatsächlich ein Professor Einspruch eingelegt, sodass die Klausel abgeändert wurde.

Coca Cola behält sich Veröffentlichung von Studien vor

In zwei Vereinbarungen hat der Konzern sogar festgeschrieben, dass er darüber entscheidet, ob die Studie veröffentlicht wird. In einem anderen Vertrag hat Coca Cola klar gestellt, dass die Forschung beendet ist, sobald der Konzern das will. Danach müssten die Wissenschaftler alle Daten und Dokumente Coca Cola aushändigen.

"Durch diese Klauseln hat sich der Konzern die Option vorbehalten, Ergebnisse in der Schublade verschwinden zu lassen und keiner erfährt jemals davon, dass so eine Studie überhaupt gegeben hat."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Repoterin

Ob es tatsächlich soweit gekommen ist, dass Coca Cola eine Studie komplett einkassiert hat, können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen. Die Wissenschaftler befürchten allerdings, dass allein dadurch, dass Coca Cola solche Klauseln in Verträge schreibt, Forscher im vorauseilenden Gehorsam ihre Forschung und die Ergebnisse entsprechend anpassen.

Förderung von Studien, die vom Zucker ablenken

Coca Cola selbst listet alle Forschungen auf, die vom Konzern gefördert werden. Medien sagen aber, dass dort nicht alle Studien aufgeführt werden.

Die französische Tageszeitung Le Monde hat herausgefunden, dass Coca Cola in Frankreich Studien gefördert hat, die belegen sollen, dass nicht zuckerhaltige Getränke, sondern vor allem der Bewegungsmangel für Übergewicht zuständig ist.

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Private Förderung von Forschung ist üblich. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler, dass in Fachjournalen nicht nur veröffentlicht wird, dass die Studie finanziert wurde, sondern auch unter welchen Bedingungen.