In dieser Woche mussten 16 britische Forscher in der Antarktis ihre Forschungsstation verlassen, weil in der Umgebung ihrer Station Halley Six Risse im Eis entdeckt wurden. Dabei sollten sie eigentlich auch den Winter in der Station verbringen. Über das Leben und Forschen im ewigen Eis.

Die große Gefahr von Rissen im Eis: Sie können sich ausbreiten, sodass eine Station irgendwann auf einer schwimmenden Eistafel stehen könnte, erklärt Uwe Nixdorf. Er ist Cheflogistiker beim Alfred-Wegener-Institut, das ebenfalls eine Forschungsstation in der Antarktis betreibt. Eine Gefahr für Leib und Leben der Besatzung besteht zwar nicht, aber natürlich will niemand, dass die Station unkontrolliert durch die antarktische See treibt.

Zunächst wollten die Wissenschaftler deshalb mit ihrer Station umziehen. Allerdings hat sich herausgestellt, dass das Schelfeis an einer anderen Stelle eine weitere Schwachstelle hat, erklärt Uwe Nixdorf. Und weil niemand weiß, wie sich diese Situation entwickelt, hätten die Forscher entschieden, in diesem Jahr vorsorglich nicht in der Antarktis zu überwintern.

Die Suche nach dem richtigen Standort

Die Antarktis ist um ein Drittel größer als Europa. Es ist also gar nicht so einfach, auf dieser riesigen Fläche den richtigen Standort für eine Forschungsstation zu finden. Ein entscheidender Punkt ist dabei natürlich das Fachgebiet der Wissenschaftler - also die Frage, über welches Thema sie forschen möchten. So brauchen Geologen zum Beispiel eine Station, die in der Nähe von Felsen errichtet wird. Biologen halten dagegen eher nach Tierkolonien Ausschau.

Außerdem stellen sich natürlich logistische Fragen - Gegenden, die per Schiff nur schwer zu erreichen sind, sind eher schlecht für eine Forschungsstation geeignet. Und auch der Untergrund spielt eine Rolle, erklärt Uwe Nixdorf. Auf Felsboden lässt sich eine Station einfacher errichten als auf Schelfeis - ein Untergrund, auf den sich bislang nur Großbritannien und Deutschland vorwagen.

Und wie immer geht es bei Expeditionen in der Antarktis auch ums Prestige. So hatten sich die Amerikaner nach dem geophysikalischen Jahr in den Kopf gesetzt, eine Station direkt auf dem Südpol zu errichten. Ein Ziel, das auch die Russen ins Auge gefasst hatten und die dann an den ähnlich prestigeträchtigen Kältepol ausgewichen sind.

Uwe Nixdorf kümmert sich gerade um eine Station mit dem Namen Neumayer 3 - ein Name, der schon vermuten lässt, dass es nicht die erste ihrer Art ist. Bei der Planung wird also immer bedacht, dass eine Station eines Tages aufgegeben werden könnte.

Die erste ihrer Art, die Georg-von-Neumayer-Station, war noch als Röhre konzipiert. Die Idee dahinter: Besserer Schutz gegen die Massen von Schnee, die an den antarktischen Küsten angeweht werden. Irgendwann wurde es aber selbst für diese Konstruktion zu schwer. Die Röhre begann sich unter den Schneemassen zu verformen und war nach rund 13 Jahren nicht mehr sicher, erzählt der Forscher. Eine neue Röhre musste her, aber den Wissenschaftlern war auch bewusst, dass diese Bauweise nicht besonders umweltfreundlich ist. Bei zukünftigen Behausungen an der Antarktis haben die Forscher also darauf geachtet, dass eine Station komplett zurückgebaut werden kann, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Auch deshalb steht Neumayer 3 auf Stelzen.