Der Berliner Fotograf Sebastian Wells hält mit seiner Kamera fest, wie sich das Leben seit Beginn der Pandemie verändert. Entstanden ist eine Art Fototagebuch – seine ganz persönliche Therapie, wie er die Krise künstlerisch verarbeitet.

Zukunftsängste, Einsamkeit, soziale Isolation – um das alles zu verarbeiten, fangen manche wieder an, Tagebuch zu schreiben. Der Fotograf Sebastian Wells
fängt die Pandemie mit der Kamera ein: für Magazine, Fernsehsender und seinen Instagram-Kanal. Eine neue Herausforderung, denn eigentlich hatte er andere Pläne. Im Sommer sollte er bei den Olympischen Spielen dabei sein, doch jetzt ist alles anders gekommen.

Er arbeitet für die Bildagentur Ostkreuz und kann sich noch erinnern, wie das war, als die "Lawine an Nachrichten" losging und die Auswirkungen der Corona-Pandemie für ihn das erste Mal greifbar wurden: Geplante Reisen wurden plötzlich abgesagt, laufende Aufträge platzten. Er verfiel für ein paar Tage, wie er selbst sagt, in eine Art "Schockdynamik."

"Es fühlt sich so an, als wäre man der Beifahrer in einem Auto: Man kennt den Fahrer und die Straße nicht. Man hat kein Navigationsgerät und weiß nicht, wo es hingeht."
Sebastian Wells, Fotograf

Von heute auf morgen ändert Sebastian seine Pläne: Er verwirft alle Projektideen und widmet sich der Corona-Fotografie. Auch wenn wir das Virus nicht sehen können, sagt er, ist er seitdem ganz viel auf der Straße unterwegs und beobachtet, wie sich Berlin verändert in dieser Zeit.

Ohne Plan ans Ziel

Normalerweise ist Sebastian straff organisiert, wenn es um die Arbeit geht: Er fährt zu Terminen, fotografiert, und fährt danach wieder nach Hause. Doch seit der Pandemie haben sich sein Alltag und seine Arbeitsweise verändert: Er setzt sich auf sein Rad oder in die Straßenbahn – ohne konkretes Ziel vor Augen. Er lässt sich treiben, steigt irgendwo aus und fotografiert das echte Leben da draußen.

"Ich habe mich einfach treiben lassen. Ich bin irgendwo hingefahren und herumspaziert und habe geschaut, was so passiert und wer doch noch auf den Straßen ist."
Sebastian Wells, Fotograf
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Auf den Straßen seiner Heimatstadt bemerkt er schnell, dass sich etwas verändert hat. Überall spürt er eine "komische Misstrauensstimmung." Denn plötzlich ahnt
er, über was die Menschen, denen er begegnet, nachdenken: über Corona. Für Sebastian eine außergewöhnliche Situation.

Die Gefahr ist unsichtbar

Es entstehen Fotoserien, die das echte Leben porträtieren: in einem Corona Notfall-Krankenhaus, auf der Straße, oder auf dem Balkon seiner Mutter, die zur Risikogruppe zählt. Immer wieder ist er verunsichert und weiß nicht, wie er sich in einer bestimmten Situation richtig verhalten soll.

"Man sieht die Gefahr nicht. Man muss sie sich die ganze Zeit vorstellen und kann sich nicht so verhalten wie normalerweise."
Sebastian Wells, Fotograf

Doch die Menschen, die er fotografiert, freuen sich, erzählt Sebastian. Denn alle "leiden unter derselben Situation und wollen ihrem Problem eine Stimme verleihen." Das erleichtere ihm die Arbeit als Fotograf dieser so ungewöhnlichen Zeit.