Gina aus Chicago postet bei Instagram Fotos ihrer Speckröllchen und etabliert damit einen neuen Hashtag. Über eine längst überfällige Debatte.

Die allermeisten wollen sich auf Instagram von ihrer Schokoladenseite zeigen. Bei manchen artet das in krassesten Perfektionismus aus. Kein Foto ohne Beauty-Filter und bei Fitness-Selfies die Handykamera immer nur auf die durchtrainierten Abs halten. Auf keinen Fall darf man auch nur ein Gramm Speck sehen. Instagram-Nutzerin Gina hatte da keinen Bock mehr drauf. Sie postet unter dem Hasthag #embracethesquish - umarme deinen Bauchspeck - Fotos ihres schwabbeligen Bauches.

7,670 Likes, 343 Comments - g i n a ✨ s u s a n n a (@nourishandeat) on Instagram: "It took me a long time to get here. To understand that my worth doesn't depend on how many..."
It took me a long time to get here. To understand that my worth doesn't depend on how many calories I can burn, or how much "self control" I have. To know that the shape of my outer packaging doesn't make or break my worth as a human being. To know that 'fat' isn't an insult, just like 'skinny' isn't a compliment. It took me years to unlearn all the guilt and shame associated with my eating disorder; years to break the habit of exercising to exhaustion, watching the numbers on the elliptical go up in desperate hope that they would make the numbers on the scale go down. But now I am here. Where I can look at my body in all it's forms, then and now, and where it has yet to be, and know that the rolls on my belly when I sit down do not make me less worthy of being seen; they do not make me less worthy of being loved or appreciated or valued. The roundness of my arms or the curves of my hips do not make me less perfect than I already am - because my body belongs to ME, and not my eating disorder, not society, not anybody else. YOU ARE VALUABLE now, not 10lbs from now, not a dress size less, not a diet away. No matter your health status - whether you are sick or well, or struggling or recovered - regardless of size or color or shape or identity. Whether you take a "flattering" photo or not. YOU ARE WORTHY of body love and self care. You can get here too. A life of self love is waiting for you ✨#embracethesquish #perfectlyme

Gina stammt aus Chicago und ist Mitte 20. Sie litt mehr als drei Jahre an Magersucht. Sie tat alles, um dünn auszusehen: Sie nahm weniger als 600 Kalorien pro Tag zu sich. Sie trainierte bis zum Blackout. Vor allem aber ekelte sie sich vor Essen. Sie hatte regelmäßig Panikattacken. Ihre Periode blieb aus. Ihre Haare fielen ihr in Büscheln aus. Sie zog sich zu Schluss nur noch im Dunklen aus, damit ihr Mann nicht sehen konnte, wie dünn sie geworden war. Und so ging das drei Jahre lang.

Hilfe im Netz

Viele Betroffene wollen nicht zugeben, dass sie an einer Essstörung leiden, und versuchen das zu verstecken. Gina sagt in einem Interview mit dem Blog Naked with anxiety, ihr habe vor allem die Seite letsrecover.tumblr geholfen, auf der sich ehemalige Betroffene Tipps geben, wie sie aus einer Essstörung wieder rausgekommen sind. Und weil das alles geklappt hat und sie heute wieder normal isst, ist Gina jetzt als Bopo-Warrior unterwegs

Die Body-Positivity-oder BoPo-Bewegung setzt sich dafür ein, den Diätwahn nicht weiter zu glorifizieren und Körper so zu akzeptieren, wie sie sind. Und als BoPo-Kriegerin lädt Gina unter dem Hasthag #embracethesquish fast täglich neue Bauchspeck-Schwabbelfotos von sich hoch, um gegen die ganzen flach getuneten perfekten Bäuche anzuposten. Wobei sie ziemlich schlank ist. Trotzdem sieht es so aus, als sei das bisschen Speck zu zeigen, das ihr über die Hose quillt, für jemanden wie Gina schon ein Riesenschritt.

Drei Tipps gegen den Diätwahn

In dem Interview mit Naked with anxiety gibt Gina drei Tipps, wie Betroffene aus dem Teufelskreis der perfekten Körper und der Essstörungen herauskommen können.

  1. Wir müssen aufhören, perfekt sein zu wollen. Denn den perfekten Körper haben nicht mal Models.
  2. Nicht schämen. Wer schon eine Esstörung hat, sollte sich nicht dafür schämen, sondern sich Hilfe suchen. Vielen Frauen fiele es schwer, zuzugeben, dass sie an so etwas leiden, meint Gina.
  3. Trigger vermeiden: sich nicht die ganzen dünnen Fitnessmodels bei Instagram reinziehen und stattdessen lieber BoPo-Accounts oder Plus-Size-Models folgen.

Gina haben Accounts mit Body-Positivity-Schwerpunkt selbst geholfen, erzählt sie. Und das gibt Gina jetzt mit ihren Account weiter. Sie hat heute rund 75.000 Follower bei Instagram, die jetzt auch unter #embracethesquish angefangen haben, Bilder zu posten - von ihrem ganz normalen Körper.

4,213 Likes, 122 Comments - g i n a ✨ s u s a n n a (@nourishandeat) on Instagram: "Feeling extra squishy today ✨ YOUR BODY IS CHANGING ALL THE TIME!! and it took me a long time to..."
Feeling extra squishy today ✨ YOUR BODY IS CHANGING ALL THE TIME!! and it took me a long time to realize that our bodies are never the same size every single day. They vary in water retention, how much food is in your belly, whether your muscles are sore or weak or strong. There's a lot that goes into it. But instead of focusing on it, just embrace it! Live in that place. Your body is no less valuable RIGHT NOW as it was the last time you were feeling good about it. Learn to love your body in all its forms, today, yesterday, and tomorrow. #embracethesquish #nonairbrushedme #body4me