Ein Virus springt vom Tier auf den Menschen über – da dürften bei vielen die Alarmglocken losgehen. Noch herrscht bei vielen große Unsicherheit über die Affenpocken. Warum Quarantäne? Ist das Virus gefährlich? Droht eine neue Pandemie? Unsere Antworten im Überblick.

Es erinnert an den Anfang der Coronavirus-Pandemie – und doch ist alles anders. Trotz vieler Informationen, gibt es auch noch offene Fragen. Zum Beispiel auf unseren Social-Media-Kanälen. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke mit den Antworten:

Warum sollen Infizierte in Quarantäne, wenn die Ansteckungsgefahr so gering ist und es nur so wenige Fälle gibt?

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat verkündet, dass Infizierte 21 Tage lang in Quarantäne sollen - trotz des bisher geringen gesundheitlichen Risikos.

Das hat vor allem einen Grund: Das Virus soll möglichst schnell an der Ausbreitung gestoppt werden. Wie wir aus der Coronavirus-Pandemie gelernt haben, ist es besser, je früher Infektionsketten unterbrochen werden. Hinzu kommt, dass es auch noch nicht ganz klar ist, auf welchen Wegen, außer den bereits bekannten, das Virus noch übertragen werden kann.

"Es ist das erste Mal, dass sich dieses Virus außerhalb der Endemiegebiete, also West- und Zentralafrika, so stark verbreitet."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das Virus ist schon länger bekannt, doch bisher hat es sich nicht so stark ausgebreitet. Mediziner*innen fragen sich deshalb, warum es auf einmal auch außerhalb West-und Zentralafrika auftritt. Es muss deshalb genau untersucht werden, ob sich das Virus eventuell verändert hat oder welchen Grund es sonst geben könnte.

Eine Möglichkeit, die zurzeit ebenfalls diskutiert wird, ist, dass die Bevölkerungsimmunität durch die Pockenimpfung nachlässt – denn die wurde vor knapp 40 Jahren eingestellt.

Steuern wir auf eine neue Pandemie zu?

Nein. Das Virus ist ein völlig anderer Erreger als das Coronavirus. Bei den Affenpocken handelt es sich um einen DNA-Virus, das sich sehr viel langsamer verändert als etwa RNA-Viren, wie das Coronavirus oder das Influenzavirus.

"Außerdem haben wir auch aus der Corona-Pandemie gelernt. Die Strukturen sind noch da, sowie steriles Arbeitsmaterial und die Achtsamkeit."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Außerdem ist das Virus nicht so leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Kontakt mit einem infizierten Menschen, Tier oder kontaminiertem Material muss sehr eng sein, damit sich eine Person anstecken kann. Ein anderer großer Unterschied ist, dass das Affenpocken-Virus bereits bekannt ist. Es gibt bereits Medikamente, Impfstoffe und Wissen.

Ist eine Impfung gegen Affenpocken möglich? Zum Beispiel mit der herkömmlichen Pockenimpfung?

Nein, aktuell nicht. Vom alten Pockenimpfstoff sollen zwar 100 Millionen Dosen in Deutschland gelagert sein, doch diese enthalten ein vermehrungsfähiges Virus. Der Impfstoff habe wohl sehr viele Nebenwirkungen.

Es gibt allerdings einen weiteren Impfstoff, der in den USA bereits gegen Affenpocken eingesetzt wird und gute Wirkung zeigt. In Europa ist er aber nicht für die Impfung gegen Affenpocken zugelassen.

"Von diesem Impfstoff hat Deutschland vorsichtshalber mal 40.000 Dosen bestellt – aber nur falls es nötig sein sollte, dass Kontaktpersonen geimpft werden sollen oder Personen, die besonders gefährdet sind, etwa Menschen mit einer Immunschwäche."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die WHO empfiehlt aber derzeit keine Massenimpfung und hält das auch nicht für nötig.

Was sind Affenpocken genau?

Affenpocken sind ein Symptom der Virusinfektion mit einem Virus, das eigentlich in Nagetieren in West- und Zentralafrika grassiert. 1958 wurde das Virus erstmals bei Laboraffen festgestellt – daher der Name. Doch eigentlich sind auch Affen Fehlwirte des Virus. 1970 hat sich dann zum ersten Mal ein Mensch angesteckt.

Das Virus der Affenpocken gehört zur Familie der Pockenviren. Auch die Hautveränderungen sehen denen der Pocken sehr ähnlich. Allerdings ist es deutlich weniger ansteckend und gefährlich.

Wie läuft die Übertragung ab?

Das Virus ist in einer hohen Konzentration vor allem in den Eiterbläschen vorhanden. Platzen diese auf und bilden Krusten, ist auch dort das Risiko sehr hoch, sich zu infizieren. Geraten diese Viren über Mikroverletzungen in der Haut oder über die Schleimhäute in unsere Blutbahn, kann das Virus sich in unserem Körper vermehren.

Noch ist unsicher, ob das Virus auch über Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Vaginalsekret übertragbar ist. Diskutiert wird auch eine Tröpfchenübertragung.

Wo treten die "Pocken" auf und hinterlassen Narben?

In der Literatur wird beschrieben, dass die Pocken meist im Gesicht auftreten und sich dann auf den ganzen Körper ausbreiten können, vor allem aber auf den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

"Bei Patienten in Deutschland wurde jetzt beobachtet, dass die Pocken vor allem zuerst im Genitalbereich aufgetreten sind. Es wird vermutet, dass das mit der Ansteckung durch Sexualkontakt zu tun hat."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Anders als die Menschenpocken hinterlassen die Affenpocken eher selten Narben. Die Wunden, die entstehen, wenn die Bläschen aufbrechen, können sich allerdings infizieren und je nachdem, wie gut die eigene Wundheilung ist, können wohl hellere Hautstellen zurückbleiben.

Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, die ich jetzt ergreifen sollte?

Grund zur Sorge und speziellen Vorsichtsmaßnahmen gibt es noch nicht. Unsere Expertin rät, sich informiert zu halten und die allgemeinen Hygienevorschriften, die auch gegen das Coronavirus und andere Viren schützen, einzuhalten.