Die Deutsche Bahn scheint aus ihren Fehlern bei der Planung des Bauprojekts Stuttgart 21 gelernt zu haben. Auch in Frankfurt am Main soll ein Tiefbahnhof entstehen. Dabei handelt die Bahn aber schon jetzt umsichtiger und transparenter als beim Bauprojekt "Stuttgart 21".

Mit Kopfbahnhöfen ist das so eine Sache: Züge fahren wie in eine Sackgasse ein und müssen dann in derselben Richtung wieder hinausfahren. Das bedeutet oft mehrere Kilometer an Umwegen. Außerdem können im Vergleich zu Durchgangsbahnhöfen viel weniger Züge einfahren.

Tiefbahnhof zusätzlich und nicht als Ersatz

Beim Bauprojekt "Stuttgart 21" war deshalb geplant, den Kopfbahnhof durch einen Durchgangsbahnhof zu ersetzen. Trotzdem kam es zu massiven Protesten. Auch weil der Eindruck entstanden war, dass die Kapazität des Bahnhofs sich durch den Umbau verschlechtern könnte.

Pünktlichkeit verbessern und Anzahl der Züge erhöhen

"Ein entscheidender Unterschied: In Frankfurt will man den Tiefbahnhof zusätzlich bauen und den bestehenden Kopfbahnhof, in den Züge wie in eine Sackgasse rein und wieder rausfahren müssen, erhalten."
Katharina Thoms. Landeskorrespondentin in Baden Württemberg

Die Proteste hatten sich in bei "Stuttgart 21" hochgeschaukelt, weil nicht auf die Kritik eingegangen wurde, erklärt Katharina Thoms, unsere Landekorrespondentin für Baden-Württemberg. Beispielsweise gab es vor über zehn Jahren schon ein Gutachten des Umweltbundesamts, das festgestellt hatte, dass der Umbau des Bahnhofs keinen Mehrwert bringe.

"Braucht es den Bahnhof in dieser Form? In Stuttgart ist das bis heute sehr umstritten."
Katharina Thoms, Landeskorrespondentin in Baden-Württemberg

Bei der Planung seien die veranschlagte Bauzeit, die Kosten und der Sinn des Projekts nicht transparent diskutiert worden. So wurde auch ein Bürgerentscheid geblockt und Demonstrationen von der damaligen Landesregierung nicht ernst genommen, sagt Katharina Thoms. Zu spät seien die Bürger beteiligt und Dialog angeboten worden.

Die Verantwortlichen hätten außerdem eine Salamitaktik angewendet, sagt unsere Korrespondentin. Über die Jahre seien die Kosten immer wieder nach oben korrigiert worden. Anfangs sollte das Projekt 2,5 Milliarden kosten, mittlerweile belaufen sich die Kalkulationen auf 8,2 Milliarden Euro. So vorzugehen sei definitiv ein Fehler gewesen, sagt Katharina Thoms. Inzwischen soll sogar noch ein zusätzlicher Bahnhof gebaut werden, weil ansonsten die Kapazität nicht ausreicht.

"Die beiden Endgegner bei solchen Projekten sind immer Zeit und Geld - und da ist es wichtig, ehrlich damit umzugehen."
Katharina Thoms, Landeskorrespondentin in Baden-Württemberg

Ein entscheidender Unterschied zu Stuttgart 21: Er soll zusätzlich zum Kopfbahnhof entstehen anstatt ihn zu ersetzen. Der Zugang zu den Tiefbahngleisen soll über das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude erfolgen. Zudem sind für ICE und IC Tunnel geplant, die unterhalb der Frankfurter City verlaufen sollen. Das Ganze soll 3,6 Milliarden Euro kosten und mindestens 15 Jahre dauern.

Ganz unabhängig von Technik, Zeitplänen und Kosten ist es aber vor allem eine Lehre, die die Verantwortlichen in Frankfurt aus den Erfahrungen in Stuttgart ziehen können: Großprojekte dürfen nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sagt Katharina Thoms.