Kunstraub gibt es schon seit der Antike. Damals war es ein Mittel, um die kulturelle und politische Identität der Gegner zu zerstören und sie zu demütigen. Und auch während der Kolonialzeit wurde viel Kunst geraubt – bis heute sind viele dieser Exponate in deutschen Museen umstritten.

479 v. Chr. fallen die Perser mit einer großen Streitmacht in Griechenland ein. Sie zerstören Athen, verschleppen Frauen und Kinder und hinterlassen eine verwüstete Landschaft. Sie plündern auch Kultstätten und demolieren Statuen. Ausnahmen sind die Statuen von Aristogeiton und Harmodios – deren Standbilder werden nicht zerstört, sondern geraubt.

Denn die beiden gelten im antiken Athen als Tyrannenmörder und genießen deshalb hohes öffentliches Ansehen. Aristogeiton und Harmodios – so sagt es die Überlieferung – hatten einen Anschlag auf die Tyrannenbrüder Hippias und Hipparchos verübt. Durch den Tod von Hipparchos und die anschließende Vertreibung von Hippias 510 v. Chr. war die Tyrannei beendet und die griechische Verfassung wieder in Kraft gesetzt.

Antike: Kunstraub als Demütigung

Aristogeiton und Harmodios waren antike Helden, die am Beginn der attischen Demokratie standen und deshalb Statuen als Zeichen der Dankbarkeit der Bürger Athens bekommen hatten. Dadurch, dass die Perser nach dem Sieg über Athen ausgerechnet diese beiden Statuen nicht zerstören, sondern rauben, demütigen sie die Unterlegenen und signalisieren die Höherwertigkeit ihrer eigenen Kultur.

Der Raub von Kulturgütern, der sich seither durch die Menschheitsgeschichte zieht, ist immer von zwei Aspekten geprägt: Bereicherung und Demütigung.

Das "Luf-Boot" aus dem Pazifik

Das gilt auch für die deutschen Kolonialherren, die in der Südsee am Ende des 19. Jahrhunderts aufgetreten sind und oftmals rücksichtlos Kulturgüter der Einheimischen geraubt und nach Deutschland gebracht haben. Vieles ist heute in unseren Museen zu sehen.

Zu den Prunkstücken der Sammlung des Berliner Humboldt Forums gehört ein "Luf-Boot", das einerseits ein Stück Weltkulturerbe ist, andererseits aber in einem "kolonialen Unrechtskontext" nach Deutschland gekommen ist.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Götz Aly, dessen Großonkel als Marinegeistlicher an der Unterwerfung einer Inselgruppe in der Südsee beteiligt war, schildert, wie das Bismarck-Archipel mit einer Strafexpedition der kaiserlichen Marine unterworfen wurde.
  • Der Dlf-Kunstexperte Stefan Koldehoff berichtet über die vom NS-Staat geraubte Kunst in den von Deutschland besetzten Ländern.
  • Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger erläutert den Umgang mit Ausstellungsstücken, deren Herkunft ungeklärt ist.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über Kunstraub in der Antike.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporter Martin Krinner erzählt die Geschichte eines Kunstraubs vom Dezember 1884 im westafrikanischen Kamerun.