In Frankreich haben Betrüger Millionenbeträge mit einer filmreifen Masche ergaunert: Einer von ihnen soll sich als der damalige französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian ausgegeben - und in dieser Rolle reiche Privatpersonen wie Geschäftsleute um Geld gebeten haben. Jetzt wird ihnen der Prozess gemacht.

Es sei schon ziemlich dreist, wie die Täter in Frankreich in den Jahren 2015 und 2016 vorgegangen wären, sagt Sabine Wachs, unsere Korrespondentin in Paris. Reiche Geschäftsleute wurden angeblich vom französischem Verteidigungsministeriums und im Namen des damaligen Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drian gebeten, ihnen in einer prekären Angelegenheit mit Geldern zu auszuhelfen – zum Beispiel für die Befreiung französischer Geiseln oder für den Kampf gegen den Terrorismus, berichtet ARD-Korrespondentin Sabine Wachs.

"Die mutmaßlichen Betrüger haben im Namen von Jean-Yves Le Drian Geld erbeten, angeblich für die Befreiung französischer Geiseln oder für den Kampf gegen den Terrorismus."
Sabine Wachs, ARD-Korrespondentin in Paris

Dafür habe es dann einen Dankesbrief mit Briefkopf des Verteidigungsministeriums gegeben mit dem Hinweis auf die höchste Geheimhaltungsstufe in der Sache. Weiterhin hätten sie E-Mail-Adressen gefälscht, um alles echt aussehen zu lassen. Doch nicht nur das: Die Betrüger hätten sogar eine Silikonmaske des damaligen Verteidigungsministers verwendet und in einem extra hergerichteten Büro mit Fahnen und Wimpeln ihre Opfer per Videotelefonie angerufen.

Weit über 50 Millionen Euro ergaunert

Über 150 Geschäftsleuten seien kontaktiert worden, auf drei Masche reingefallen seien schließlich drei - darunter ein türkischer Geschäftsmann, der alleine 47 Millionen Dollar gezahlt haben soll. Und auch der in Frankreich lebende Prinz Aga Khan soll um die 18 Millionen Dollar erleichtert worden sein, so Sabine Wachs.

Appell an das nationale Pflichtgefühl

Im Kontext der Terroranschläge um die Jahre 2015 sollen die Betrüger das allgemeine Klima der Unsicherheit ausgenutzt und an das nationale Pflichtgefühl der Opfer appelliert haben. Es gebe Geiseln in IS-Gefangenschaft, aber man könne keine Gelder aus der Staatskasse entnehmen. Natürlich würde alles zurückgezahlt werden und die Geldgeber bekämen Steuererleichterungen. So in etwa wurde die Sache den Opfern aufgetischt.

Spitzname: "König der Betrüger"

Der Hauptangeklagte Geraci Clay ist kein unbeschriebenes Blatt in Frankreich, sagt Sabine Wachs. Mit einer ähnlichen Betrugsmasche habe er bereits in den Jahren 2005 und 2006 Millionenbeträge ergaunert. Damals habe er sich als Chef großer französischer Unternehmen wie der Bank Société Générale ausgegeben und von Mitarbeitern der mittleren und höheren Führungsebene Geld geben lassen. Die Geschichte wurde sogar unter dem Titel "Je compte sur vous" verfilmt.

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Angeblich hätten die Betrüger sogar schon ihren nächsten Betrug geplant und sich bereits Silikonmasken von Prinz Albert von Monaco bestellt. Und da es vorher schon Betrugsmaschen dieser Art gab, werden die Gauner diesmal wohl für eine längere Zeit hinter Gittern kommen.

Hinweis: Auf dem Foto ist der "echte" ehemalige Verteidigungsminister und heutige Außenminister Frankreichs, Jean-Yves Le Drian, zu sehen.