Seit Wochen protestieren Schüler und Studenten an der Seite von Gewerkschaftern gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Sie haben Angst, in Zukunft nur noch von unsicheren und schlecht bezahlten Jobs leben zu müssen.

Die Reform soll die bestehenden Arbeitsgesetze lockern und Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr Spielraum beispielsweise bei der Gestaltung von Arbeitszeiten geben. Davon betroffen sind die 35-Stunden-Woche und der Kündigungsschutz. Bislang ist es in Frankreich so, dass Festangestellte kaum gekündigt werden können. Doch in Zukunft können Chefs ihre Mitarbeiter leichter aus betriebsbedingten Gründen entlassen. Die Jugendlichen sehen darin "den Vormarsch des enthemmten Kapitalismus", erklärt unser Korrespondent Jürgen König, und protestieren vor allem gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes.

Paradoxer Protest

Seit einigen Jahren sind die Arbeitgeber dazu übergegangen, mehr und mehr befristete Arbeitsverträge anzubieten - manchmal nur für Monate, Wochen oder sogar Tage. Studenten und Leute, die gerade anfangen, zu arbeiten, haben davor eine große Angst, sagt Jürgen König. In dem historisch-revolutionären Bewusstsein, dass Revolutionen, Streiks und Proteste Erfolg haben, gehen die Schüler und Studenten jetzt auf die Straße. Das paradoxe sei, dass die Reformen eigentlich dazu gedacht sind, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

"Viele sind kenntnislos was den französischen Arbeitsmarkt angeht und gehen lieber auf die Straße, um Verhältnisse beizubehalten, in denen die Jugendarbeitslosigkeit bei 25 Prozent liegt."
Jürgen König, Korrespondent in Paris

Mit der Reform sollen gleichzeitig Stellen in der öffentlichen Verwaltung abgebaut werden, wodurch noch mehr Arbeitslosigkeit droht. Genau diesem Problem versuche die Reform zu begegnen, doch: "Viele französische Jugendliche wollen davon gar nichts wissen", sagt Jürgen König. Mehrheitlich beteiligen sich Gymnasiasten und Studenten an den Protesten, die meist aus finanziell gesicherten Verhältnissen kommen. Es gäbe nur einen Studentenverband, der sich ausdrücklich nicht an den Protesten beteilige.

"Die, die auf die Straße gehen, verlangen nur eins: Dass der Gesetzentwurf komplett zurückgenommen wird. Ein Dialog wird ausdrücklich abgelehnt."
Jürgen König, Korrespondent in Paris

Der Protest werde immer konfrontativer und radikaler, sagt Jürgen König. Auf der Place de la République seien die Demonstranten wochenlang sehr friedlich gewesen. Jetzt hätten sich immer mehr "Zadistes" unter die Demonstranten gemischt. "Das sind junge Leute die in ganz Frankreich dauerhaft gegen wirtschaftliche Großprojekte kämpfen und bei Demonstrationen militant auftreten", sagt Jürgen König.

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