Im April finden in Frankreich die Präsidentschaftswahlen statt. Vor allem viele junge Menschen wählen aber nicht. Eine NGO will das zusammen mit der Dating-App Tinder ändern.

Bei der letzten Parlamentswahl in Frankreich im Jahr 2017 ging weniger als die Hälfte aller Wahlberechtigten zur Abstimmung. Nun soll die Dating-App Tinder dabei helfen, dieses Mal mehr, vor allem junge Menschen zur Stimmabgabe zu animieren.

Abstimmen per App geht zwar nicht, aber die Nichtregierungsorganisation "A voté" (deutsch: Hat gewählt!) arbeitet mit Tinder zusammen. Zwischen den Dating-Profilen tauchen regelmäßig Info-Kacheln auf, die User*innen wegwischen müssen und die diese animieren sollen, zu wählen.

Außerdem sind diese Kacheln mit der Website von "A voté" verlinkt, wo die Nutzenden parteiunabhängige Hinweise und Erklärungen zu den Wahlen im April finden.

Für junge Wähler*innen in Frankreich gibt es ein Problem

Expert*innen befürchten aufgrund der geringen Beteiligung von jungen Menschen bei vergangenen Wahlen, dass diese auch dieses Mal gar nicht erst ins Wahllokal gehen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll die Kampagne.

"Fachleute fürchten, dass gerade bei jüngeren Wählern unter 30 die Stimmenthaltung groß sein könnte. Die erreicht man besonders gut über Tinder."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Nicht-Wählen liegt auch am französischen System des Wähler*innenverzeichnisses. Franzosen können nur in dem Wahllokal abstimmen, in dem sie im Wahlverzeichnis stehen. Das Problem betrifft vor allem junge Menschen.

Denn die sind oft noch bei ihren Eltern gemeldet und stehen dort im Wähler*innenverzeichnis. Wegen der Ausbildung oder des Studiums wohnen sie aber inzwischen anderswo. Die Möglichkeit zur Briefwahl wie in Deutschland gibt es in Frankreich nicht.

Die Info-Kacheln bei Tinder machen deshalb unter anderem darauf aufmerksam, dass alle, die wählen wollen, ihre Daten im Wählerverzeichnis überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren.