Der typische Programmierer trägt Brille, trinkt Energydrinks - und er ist männlich. So weit das Klischee. Die Code Girls aus Leipzig wissen, was man dagegen tun kann: Anfangen zu programmieren!

"Programmieren versteh ich nicht. Brauch ich nicht." Mit Sätzen wie diesen lassen sich Julia Hoffmann und Natalie Sontopski nicht abspeisen. Denn sie haben Bock auf Code und ein Buch geschrieben: "We Love Code! Das kleine 101 des Programmierens". Sie arbeiten damit gegen Zahlen wie diese: Nur etwa 15 Prozent der Stellen in der deutschen IT-Branche sind durch Frauen besetzt. "Problematisch ist, dass Frauen Programmieren immer noch als typischen Männerberuf oder 'Nerdomäne' sehen. Das schreckt viele ab", sagt Natalie.

Frauen sind Teil des Codes

Natalie und Julia haben auch die Leipziger Code Girls gegründet. Alle 14 Tage treffen sich hier Frauen um Computersprachen wie Java oder Ruby on Rails zu lernen. Mit ihrem Buch wollen die Autorinnen nun nicht nur erklären, wie man es macht, sondern geben auch einen Einblick in eine digitale Welt, in der Frauen keine Passanten sind. Ganz im Gegenteil. Mit der Erfindung der Informatik und dem Aufstieg der Softwareindustrie sind sie von Beginn an verwoben.

"Als Computer in den 40er und 50er Jahren anfingen, die Arbeit der Menschen zu übernehmen waren es vor allem die Frauen, die programmierten - weil es als Frauenarbeit angesehen wurde."
Natalie Sontopski, Code Girl und Autorin von "We love Code"

In ihrem Buch machen sie manches Klischee von der ahnungslosen Technikfrau platt und stellen digitale Vorreiterinnen vor. Allen voran Ada Lovelace. Die Mathermatikerin gilt als Begründerin der modernen Informatik im 19. Jahrhundert. Unter ihrem Namen gibt es bis heute zahlreiche Initiativen wie den Ada Lovelace Day, die sich für Frauen in diesem Jobfeld einsetzen.

Aus anderen Gründen waren in den 40er und 50er Jahren Frauen in die IT involviert. Damals war für viele Männer offenbar Programmieren quasi gleich "Tippen". Und den Sekretärinnenjob, den machten (na klar) die Frauen. Den ersten Computer, erzählt Natalie Sontopski, ENIAC, haben so weitgehend Frauen mithilfe von Lochkarten bestückt. Das war eine anstrengende und recht schlecht bezahlte Arbeit. Erst in den 80ern gewann die Software-Industrie merklich an Bedeutung: Und die Männer zogen an den Frauen vorbei.

"Das Internet ist ein Raum, der vor allem von Männer geschaffen und programmiert wird."
Natalie Sontopski, Code Girl und Autorin von "We love Code"

Dass diese Verteilung bis heute nicht grundlegend erschüttert wurde, hat Auswirkungen auf die Gestaltung des digitalen Raums. "Weil Programmieren etwas mit Partizipation zu tun hat", sagt Autorin Natalie. Computerprogramme sind nicht neutral, immer fließt auch ein Stück der Weltsicht derer ein, die sie entwickeln. Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass Frauen dadurch zurückgesetzt werden. Allerdings bleibt ihre Perspektive unterrepräsentiert.

Eine Studie der University of Washington sagt Frauen als Coder übrigens ziemliches Potenzial nach: Sie zeigte, dass auf einer Open-Source-Plattform der programmierte Code von Frauen oft besser bewertet wurde - allerdings vor allem, wenn das Geschlecht nicht identifizierbar war.