Tampons, Binden oder auch Menstruationstassen: Es gibt viele Methoden, um die Monatsblutung aufzunehmen. Doch die produzieren auch viel Müll. Auch darum entscheiden sich immer mehr Frauen für eine ungewöhnliche und dennoch natürlichste aller Methoden: die freie Menstruation und den Verzicht auf jedes Hilfsmittel. Wie funktioniert das genau?

Tampons und Binden produzieren nicht nur viel Müll, sie sind oft auch gebleicht und enthalten Rückstände von Pestiziden oder Formaldehyd. Umweltpunkte sammeln die Hilfsmittel nicht. Ganz anders die freie Menstruation, für die sich scheinbar immer mehr Frauen begeistern.

Der Beckenboden machts

Freie Menstruation heißt, auf jegliches Hilfsmittel zu verzichten. "Eigentlich so, wie die Frauen es gemacht haben, bevor es diese ganzen Helferlein gab", sagt unsere Reporterin Anke van de Weyer. Bei der freien Menstruation kontrolliert man das Menstruationsblut einzig mit seinem Beckenboden. 

"Beim Pinkeln kann man das ja auch zurückhalten. Genauso funktioniert es bei der freien Menstruation. Das Blut läuft ja nicht permanent aus einem raus, sondern kommt immer in Schüben."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Kommt ein Schub, dann wird die Beckenbodenmuskulatur angespannt, erklärt Anke: "Und dann geht man auf die Toilette und man spannt und entspannt die Muskulatur. Wenn der Schub draußen ist, ist erst mal wieder Pause." Wie lange, dass hängt davon ab, wie stark die Regel ist.

Üben, üben, üben

Da ohne Toilette meist nichts geht, ist die freie Menstruation eher für Frauen geeignet, die nicht so viel unterwegs sind. Es gehört sehr viel Übung dazu, sagt Anke. Frauen müssen ihren Körper genau kennen, sonst funktioniert es nicht. Doch gerade Achtsamkeit mit sich und ein intensiveres Verhältnis zum eigenen Körper sind positive Effekte der Methode.

​"Bei der freien Menstruation begegnet man seinem Körper eben sehr stark. Einige Frauen berichten auch, dass sie durch die freie Menstruation weniger starke Regelschmerzen haben."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Meike Grüber, Oberärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Marienkrankenhaus in Hamburg denkt, dass das auch daran liegen könnte, dass man den Beckenboden ganz bewusst an- und entspannt. Ihren Patientinnen rät sie vor allem: "Geht raus. Wenn ihr euch das Laufen nicht vorstellen könnt, dann geht wenigstens spazieren. Und auch sonst, Beckenbodentraining und Pilates empfehlen wir das sehr, weil das so ein schmerzhafter Teufelskreis ist.“ Der Schmerz führt zu Verspannung und die Verspannung verstärkt die Schmerzen.

Tampon, freie Methode oder ganz was anderes - letztlich muss jede Frau einfach gucken, welche Methode ihr am besten liegt, sagt Anke:

"Gut ist es auf jeden Fall, sich auszutauschen und so auch die Scham zu verlieren, mal was neues auszuprobieren in Sachen Monatshygiene."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova