Mal angenommen: Es gibt Außerirdische. Dann stellt sich die Frage, wo im All sie leben müssten, um die Erde sehen zu können. Zwei Astronominnen haben Sichtachsen im Kosmos überprüft – alte und künftige.

Die Frage, ob wir allein im Kosmos sind, ist nicht neu. Und bislang scheint es so, dass wir ziemlich allein sind.

Aber falls es da draußen Lebewesen gibt, ist die Frage, ob sie die Erde und uns Menschen überhaupt sehen könnten. Dieser Frage sind die beiden US-Astronominnen Lisa Kaltenegger vom Carl Sagan Institute der Cornell University und Jaqueline Faherty vom American Museum of Natural History nachgegangen. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin Nature erschienen.

Blick frei auf die Erde für mögliche Außerirdische

Sie kommen zu dem Schluss, dass die Erde in den vergangenen 5000 Jahren bis heute von 1715 Himmelskörpern aus zu sehen war. In den nächsten 5000 Jahren kommen noch einmal 319 Sterne hinzu. In diesem Moment könnten uns ferne Zivilisationen aus insgesamt 1402 Sonnensystemen sehen. Von dort aus ist der Blick auf die Erde zurzeit möglich. Voraussetzung: Es gibt eine ferne Zivilisation.

Dabei ist auszuschließen, dass uns Aliens von den Sternen aus beobachten. "Die sind zu lebensfeindlich", sagt Veronika von Borries aus den Deutschlandfunk Nova-Nachrichten. "Das geht nur von Planeten aus, die diese Sterne umkreisen. Falls sie Planeten haben." Im Prinzip ist es aber möglich, uns von diesen Planeten aus zu sehen.

Potenziell bewohnbar plus Sicht auf die Erde

Laut Studie gibt es 29 Planeten außerhalb des Sonnensystems, die potenziell bewohnbare Welten sind – und Sichtachsen auf die Erde hatten, haben oder noch haben werden.
Da es hier aber um enorme Distanzen geht, ist "sehen können" relativ. Von der Erde aus können wir mithilfe von Weltraumteleskopen andere Planeten optisch wahrnehmen. Wir sehen sie als dunklen Punkt vor ihrem Stern, wenn sie diesen umrunden, so Veronika. Aliens könnten umgekehrt die Erde als einen dunklen Punkt vor der Sonne sehen. Vorausgesetzt, dass sie Teleskop-Augen haben oder Teleskope bauen können.
"Wir sehen Planeten normalerweise als dunklen Punkt vor ihrem Stern, wenn sie diesen Stern umrunden."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova-Nachrichten
Neben der Frage nach dem freien Blick auf die Erde, ist es auch wichtig, die Wahrnehmung per Radiowellen mitzudenken. Denn Menschen benutzen seit rund 100 Jahren Radiowellen, so Veronika. Anfangs für das Funken, dann für Radioprogramme und schließlich auch für Fernsehen und Internet.

Radiowellen breiten sich im All aus. Mittlerweile haben sie auch Planeten außerhalb unseres Sonnensystems erreicht. Falls sich dort andere Lebewesen aufhalten, haben sie vielleicht auch die Technik, um unsere Radiowellen zu empfangen.
"Radiowellen haben schon einige Planeten außerhalb unseres Sonnensystems erreicht."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova-Nachrichten

Es sind wohl 75 Sterne, die von unseren Radiowellen bislang erreicht wurden. Vermutlich gibt es auch ein paar mehr, doch nicht von allen ist wiederum der Blick auf die Erde möglich.

Und es bleibt die ganz große Frage: Gibt es Leben dort draußen?