• Dlf Audiothek
  • ARD Audiothek
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • YouTube Music
  • Abonnieren

Um die Freimaurer ranken sich viele Myhten und Gerüchte. Hat der verschwiegene Männerbund wirklich am Rad der Geschichte gedreht? Eher nicht.

Florian Ebeling forscht an der Universität Heidelberg zu den Freimaurern. Der moderne Zweig des Männerbundes wurde am 24. Juni 1717 vom Prediger James Anderson und dem Naturforscher John Desaguliers in London gegründet. Die Ziele der Freimaurer: Freiheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Doch auch, wenn sich um die inzwischen weltweit agierende Gemeinschaft viele Mythen und Gerüchte ranken: Am großen Rad der Geschichte haben die Freimaurer nie gedreht, sagt Florian Ebeling. Und auch ein freimaurerisches Mastermind hat es wohl  nie gegeben.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Die Freimaurer wollen in der Gemeinschaft an sich als Menschen arbeiten, und die Werte der Bruderschaft im Alltag leben. Das ist vergleichbar mit Elitevereinigungen wie Lions Club oder Rotary. Es unterscheidet sich aber darin, dass die Freimaurer einen Bildungsanspruch an sich selbst haben, sagt Florian Ebeling. Im Prinzip eine sehr moderne Idee. Aber es darf eben nicht jeder mitmachen bei den Freimaurern.

"Sie wollen sich selbst als Menschen in ihrer freimaurerischen Arbeit weiterentwickeln."
Florian Ebeling, forscht an der Uni Heidelberg zu den Freimaurern

Skurrile Rituale und prominente Mitglieder

Innerhalb der Bruderschaft gibt es verschiedene Grade: Lehrling, Geselle und Meister – eine Hierarchie, die sich aus dem Handwerk ableitet. In diese Stufen werden die Mitglieder jeweils eingeweiht, das heißt, es finden Einweihungsrituale statt. "Das ist so ähnlich wie im Christentum, die Taufe ist ja auch ein Einweihungsritual", erklärt Florian Ebeling.

"Die Rituale können allerdings auch skurrile Züge annehmen."
Florian Ebeling, forscht an der Uni Heidelberg zu den Freimaurern

Florian Ebeling kennt sich besonders gut mit der Geschichte der Freimaurer im 18. Jahrhundert aus. Dort gab es Rituale, in denen die Mitglieder des Bundes gegen Unterweltsdämonen kämpfen mussten, wo man in Schlangengruben geworfen wurde oder nackte Frauen auf einen Freimaurer angesetzt wurden, um ihn zu verführen. Als Freimaurer musste man jedoch der Verlockung widerstehen.

"Das klingt alles ein bisschen albern, sollte aber im Endeffekt der Vermittlung von Wissenschaft dienen."
Florian Ebeling, forscht an der Uni Heidelberg zu den Freimaurern

Auch das sei in gewisser Weise modern. Man erschüttere den ganzen Menschen, den ganzen Körper, um besser und intensiver lernen zu können. Heutzutage, da ist sich Florian Ebeling sicher, sind die Rituale allerdings deutlich moderater.

Von dem, was bei den Freimaurern so vor sich geht, erfährt die Öffentlichkeit so gut wie nichts. Das macht den Männerbund natürlich sehr geheimnisvoll. Wissenschaftlich betrachtet spricht man von einer diskreten Gesellschaft. Denn: Dass es die Freimaurer gibt ist ja kein Geheimnis. Nur was bei den Freimaurern passiert, soll eben niemand wissen, der nicht Teil dieser Gesellschaft ist.

"Welchen Sinn das hat, darüber wird auch unter den Freimaurern sehr viel diskutiert."
Florian Ebeling, forscht an der Uni Heidelberg zu den Freimaurern

Im 18. Jahrhundert war der Bund der Freimaurer extrem populär, Goethe, Lessing, Mozart – sie alle gehörten zu den Freimaurern. Auch viele Minister und Könige waren Teil des Männerbundes. Heute gibt geschätzt um die 15.000 Freimaurer in Deutschland. Aber nur wenige von ihnen haben heute noch politische oder kulturelle Macht.

Shownotes
300 Jahre Freimaurer
Der verschwiegene Männerbund
vom 23. Juni 2017
Moderation: 
Till Haase
Gesprächspartner: 
Florian Ebeling, Universität Heidelberg