Klar, jeder denkt: Wenn du mein Freund bist, dann bin ich auch für dich ein Freund. Aber Freundschaften sind viel häufiger einseitig als wir das vielleicht denken.

Wenn wir mit jemandem befreundet sind, dann denken wir automatisch, dass wir für den anderen auch ein Freund sind. Forscher aus Israel und den USA haben sich damit beschäftigt, und sie haben herausgefunden, dass wir bei 95 Prozent unserer Freunde glauben, wir wären auch für sie ein Freund - obwohl das gar nicht stimmt. An der Studie haben 600 Studenten und Berufseinsteiger aus Israel, Europa und den USA teilgenommen. Sie sollten sich gegenseitig in ihrem Bekanntenkreis bewerten von "ich kenne diese Person nicht" bis hin zu "einer meiner besten Freunde".

Nur die Besten als Freunde

Warum wir uns nicht automatisch immer gegenseitig als Freunde betrachten, liegt laut Forschern daran, dass wir in Hierarchien denken und Freunde haben, mit denen wir angeben wollen. Davon profitieren vor allem diejenigen, die einen hohen Status haben, zum Beispiel durch Beruf und Karriere. Sie können zwischen mehr Freundschaftsangeboten auswählen und suchen sich selbst wiederum Freunde mit einem hohen Status.

Als eine weitere Ursache für die Einbahnstraßen-Freundschaft nennen die Wissenschaftler zu wenig gemeinsame Bekannte, die für unsere soziale Einbettung eine wichtige Voraussetzung darstellen. Einbahnstraßen-Freundschaften weisen eine geringe soziale Bindung unter den Freunden auf, weil einer der beiden immer weniger als der andere von sich preisgibt. Das ist für uns nicht schön, vielleicht auch anstrengend, weil wir, die die Freundschaft aufrecht erhalten wollen, mehr in die Pflege investieren müssen.

Pole-Position unter Freunden

Die Forscher wollen den Algorithmus, den sie entwickelt haben, gerne zum Beispiel an die Werbung verkaufen. Damit soll sich erkennen lassen, wer die meisten wechselseitigen Freundschaften hat - sich quasi in der Freundschafts-Pole-Position befindet. Agenturen würden dann auf die Superfreunde hin ihr Werbekonzept entwickeln.