Die einen bleiben allein zu Hause, die anderen feiern Partys: Unterschiedlicher Umgang mit den Kontaktbeschränkungen kann den Freundeskreis sehr belasten. So ist es auch bei Anastasia. Sie will Menschen zwar nicht verurteilen, aber für Ignoranz hat sie kein Verständnis.

Ein sonniger Tag in Berlin, viele Menschen gehen spazieren — allein, zu zweit, auch mal zu dritt. Trotzdem können wir spüren, dass sich Menschen an die Corona-Kontaktbeschränkungen halten wollen. Doch mitten auf der Rasenfläche sitzt eine große Gruppe Menschen. Sie hören Musik, tanzen, trinken und scheinen völlig vergessen zu haben, dass wir uns in einer weltweiten Pandemie befinden. Das könnten Anastasias Freundinnen und Freunde sein.

"Manche denken, es gibt keine Leitlinie, obwohl die von der Bundesregierung klar formuliert wurde. Aber ich habe das Gefühl, alle machen es so, wie es für sie gerade passt."
Anastasia

Während der Rest der Welt zu Hause bleibt, feiern sie Corona-Partys. Zu denen wird auch Anastasia eingeladen, aber Lust hinzugehen hat sie nicht: "Es fühlt sich nicht richtig an, mit vielen Menschen auf engem Raum zu sein und zu tun, als wäre nichts." Sie äußert ihre Bedenken auch gegenüber Freundinnen und Freunden. Von denen wird sie dann auch mal als "Corona-Moralapostel" abgewertet. In einem Studierendenmagazin hat sie ihre Gefühle dazu aufgeschrieben.

Aus Solidarität zu Hause bleiben ist für Anastasia selbstverständlich

Anastasia hält ihren Kontaktkreis seit Wochen eher klein, trifft drei, vier Freundinnen einzeln, um Infektionsketten nachvollziehen zu können. Auch sie vermisst das Feiern, aber ein Risiko würde sie dafür nicht eingehen wollen: "Jede Lockerheit und Achtlosigkeit sollte jetzt Achtsamkeit weichen", für sie ist es in erster Linie ein solidarischer Akt auf soziale Kontakte zu verzichten.

"Lockerheit sollte nicht als Argument genommen werden, wenn es um Solidarität geht und darum Menschenleben zu schützen."
Anastasia

Nicht alle ihrer Freundinnen und Freunde hätten das Bedürfnis nach Partys, in erster Linie sind es die Leute, die Anastasia beim Feiern in der Berliner-Technoszene kennengelernt hat. Und obwohl sie deren Verhalten nicht richtig findet, versucht sie Verständnis aufzubringen und Leute nicht direkt zu verurteilen: "Gerade in engen Freundschaften würde ich erst mal das Gespräch suchen oder nachfragen, warum ein Spaziergang im Park nicht ausreicht."

Manche Menschen vermissten die Gruppendynamik, hätten einen Lagerkoller oder mit psychischen Problemen zu kämpfen. Manche sind auch schlicht süchtig. In solchen Fällen gehe es bei den Corona-Partys ganz einfach ums Konsumieren. Aber es gebe bei allem Verständnis Menschen, denen die Tragweite ihres Verhaltens bewusst sein müsste: "Das ist plumpe Ignoranz. Anders kann ich es mir nicht erklären."

Wer sich nicht an die Regeln hält, kann Anastasia gerade nicht treffen — das ist für sie klar

Nicht alle dieser Menschen sind eng mit ihr befreundet, sagt sie, es geht auch um Bekanntschaften. Aber eine gute Freundin habe sie enttäuscht, als die im Affekt zu einer Party ging: "Eigentlich waren wir derselben Meinung, aber sie ist schwach geworden. Damit hat sie sich gegen mich entschieden."

"Viele Menschen vermissen die Gruppendynamik und haben einen Lagerkoller."
Anastasia

Von Freundschaften bewusst verabschieden möchte sie sich nicht. Anastasia hofft eher darauf, mit manchen Menschen auch noch nach Corona ins Gespräch zu kommen, um über unterschiedliche Sichtweisen diskutieren zu können. Vielleicht kann sie dann auch besser verstehen, warum manche Leute gerade unbedingt weiter feiern müssen.