Wenn wir uns bei Menschen ewig nicht mehr gemeldet haben, passiert es oft, dass wir uns irgendwann einfach gar nicht mehr trauen, zu schreiben oder anzurufen. Doch oft ist es leichter als gedacht, eine Freundschaft wieder zu reaktivieren.

Jede*r hat Menschen in Chats, denen wir nahestehen. Doch seit Monaten oder Jahren ist der Kontakt eingefroren. Je weiter der Chat nach unten rutscht, desto schwieriger wird es, sich noch mal zu melden – zumindest denken wir das häufig.

So war das auch bei Laura Klimecki. Sie traute sich und rief einen Freund an, zu dem sie längere Zeit keinen Kontakt hatte. Beide merkten schnell, dass die längere Kontaktpause auf einem Missverständnis beruhte.

Der Freund erklärte ihr, dass er davon ausging, dass Laura sauer sei und sich deswegen nicht mehr gemeldet habe. Beide hatten aufgrund des Missverständnisses Angst, sich zu melden. Je mehr Zeit verging, umso schwieriger wurde es, sagt die Psychologin.

Das Gefühl steht uns oft im Weg

Psychotherapeutin Denise Ginzburg-Marku sagt, dass sie solche oder ähnliche Geschichten von vielen Patient*innen kennt. Viele hätten sich jahrelang versteckt und wollen plötzlich einen Kontakt reaktivieren. Sie trauen sich das aber nicht, weil sie Angst hätten und überlegen, was der oder die andere bei einem plötzlichen Anruf von ihnen denken könnte.

"Vielen Leuten ist eines gar nicht bewusst: Die meisten Menschen freuen sich einfach, wenn andere Leute auf sie zugehen."
Martin Krinner, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In einem Experiment hat ein Forscher*innenteam aus Pittsburgh, USA, dieses Phänomen untersucht. Die Forschenden haben knapp 6.000 Menschen gebeten, den Kontakt zu alten Freund*innen wiederaufzunehmen. Dabei sollten die Teilnehmenden kurze Nachrichten versenden oder fragen, wie es den Menschen geht.

Im Anschluss sollten die Proband*innen einschätzen, wie sehr sich die Angesprochenen über die Kontaktaufnahme freuen. Das Ergebnis: Über den gesamten Test wurde unterschätzt, wie nett eine Person die erneute Kontaktaufnahme fand, berichtet Martin Krinner.

"Menschen sind sehr angst-driven. Das heißt, wenn wir über die Straße gehen und keine Angst hätten, von einem Auto überfahren zu werden, dann wäre das schlecht", sagt Laura Klimecki. Deshalb versuchen wir, möglichst viele Fehler zu vermeiden.

Die schönsten Momente können spontan entstehen

Denise Ginzburg-Marku ist Psychotherapeutin und meint, dass wir keinen konkreten Anlass brauchen, um uns zu melden. "Der Anlass ist das eigene Gefühl", sagt sie. "Ein Anlass kann natürlich helfen, aber ein Anlass kann es manchmal sogar schwerer machen, weil wir dann denken: 'Ohje, jetzt meldet der andere sich nur des Anlasses wegens.'"

Deshalb rät sie uns dazu, auf unser Gefühl zu hören – und wenn das sagt 'mach es doch', es dann auch zu machen. Alleine, dass wir uns an jemanden erinnern oder an jemanden erinnert werden, kann Anlass genug sein. Wenn wir uns dann einfach melden und sagen, dass wir gerade an die gemeinsame Zeit gedacht haben. "So können oft die schönsten Momente entstehen", sagt die Psychotherapeutin.