In Kolumbien soll Frieden sein. Die ehemaligen Farc-Rebellen haben nicht nur ihre Waffen abgegeben, jetzt wollen sie eine Partei gründen und das Land mitgestalten. Kann das klappen?

Mit einem einem sechstägigen Kongress, der am  27. August begann, wollen die Ex-Farc-Guerilleros ihre militärische Gruppierung in eine politische Partei umwandeln. Dafür kamen in Bogota 1200 Delegierte zu zusammen. 

Waffen weg, Parteibücher raus

"Das ist ein schwieriger Übergang", sagt der Kolumbien-Experte Günther Maihold. Er ist auch stellvertretender Direktor der "Stiftung Wissenschaft und Politik".

"Die Farc müssen das jetzt hinbekommen: Sie müssen aus Guerillakämpfern Parteisoldaten machen."

Dazu gehört, dass sich die Ex-Farc-Rebellen an die demokratischen Abläufe halten. "Diese demokratischen Spielregeln müssen sie sicherlich noch einüben", sagt Günther Maihold. Ebenso müssen sie mit ihrer Vergangenheit abschließen, denn die früheren Rebellen haben massiv Menschenrechte verletzt und waren am Drogenhandel beteiligt. Sie müssen jetzt ihre Existenz auf legale Füße stellen.

Vor allem aber muss sich die Farc das Vertrauen der Gesellschaft Kolumbiens erarbeiten.

"Es gibt ein sehr negatives Image der Farc in der kolumbianischen Bevölkerung."

Dass das ein langer Prozess wird, ist auch den ehemaligen Rebellen klar. Führende Farc-Vertreter werden kaum direkt in politische Ämter gewählt werden. Vielmehr muss die Farc auf kommunaler Ebene zeigen, dass sie an der Demokratie teilhaben will. Sie könnte zum Beispiel durch Bürgermeisterämter Vertrauen aufbauen.

Am Sonntag (27. August) kommen 1200 Delegierte zu einem sechstägigen Kongress der FARC in Bogota zusammen.
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So sieht ein ordentlicher Kongress ehemaliger Rebellen aus. Sie lauschen dem Chef der Farc: Rodrigo Londono, bekannt als Timochenko.

In Südamerika gibt es weitere Beispiele dafür, dass ehemalige Rebellen später in der Regierung sitzen. In El Salvador war die FMLN, die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti, in den Bürgerkriegen der 1980er-Jahre extrem aktiv. Heute stellt sie den Präsidenten. Aber genauso gibt es Beispiele für das Scheitern. In Guatemala begann die URNG, die Nationale Revolutionäre Einheit Guatemalas, als Guerillagruppe, legte dann die Waffen nieder und wurde zur politischen Partei. Erst erfolgreich, aber heute ist sie verschwunden. 

Kann der Übergang gelingen?

Auch Kolumbien kennt den Übergang von einer Guerilla-Gruppe zu einer politischen Organisation: M-19 legte 1990 ihre Waffen ab, ging über in die politische Bewegung Alianza Democrática M-19 und beteiligte sich erfolgreich an einer Verfassungsreform. Das ehemalige Guerilla-Mitglied, die Schriftstellerin Laura Restrepo, erklärt im Interview mit "Der Zeit" den Unterschied zwischen M-19 und der Farc.

Ob der Farc der Übergang gelingt, hängt davon ab, ob sie die Kurve kriegen und die Gesellschaft sie akzeptiert, sagt Günther Maihold.