Im Frühling fühlen wir uns oft müde und schlapp. Das ist dann wohl die Frühjahrsmüdigkeit, von der alle sprechen? Vermutlich nicht, sagt Schlafforscherin Christine Blume. Denn dafür gibt es kaum wissenschaftliche Anhaltspunkte. Dennoch gibt es Gründe, warum wir uns gerade vor der Osterzeit müde fühlen.

Müde in das Frühjahr zu starten – gefühlt kennen das sehr viele von uns und sprechen deshalb vor allem im März und April sehr häufig über dieses Thema. Doch was ist dran an der sogenannten Frühjahrsmüdigkeit? Schlafforscherin Christine Blume sagt: Wissenschaftlich ist die Frühjahrsmüdigkeit nicht zu belegen. Es kann gut sein, dass sie jedes Jahr wieder zuverlässig ein Thema ist, weil immer wieder Menschen darüber sprechen und es so wieder in den Mittelpunkt von vielen Diskussionen bringen.

"Wissenschaftliche Untersuchungen zur Frühjahrsmüdigkeit gibt es nicht."
Christine Blume, Schlafforscherin

Im Netz kursieren deshalb auch einige Erklärungen, was die Gründe für eine Frühjahrsmüdigkeit sein könnten. Christine Blume hat darauf Antworten.

Durcheinandergeratene Hormone

Eine Erklärung: Die Hormone Melatonin und Serotonin sollen im Frühjahr durcheinander geraten. Beide Hormone sind Botenstoffe im zentralen Nervensystem. Am Tag produziert die Zirbeldrüse im Gehirn Serotonin, in der Nacht wird dann aus Serotonin Melatonin produziert.

Melatonin ist das Hormon der Dunkelheit. Es wird zwei bis drei Stunden vor unserer üblichen Schlafenszeit ausgeschüttet und hilft uns beim Einschlafen. Welche Bedeutung Serotonin für die Müdigkeit hat, ist dagegen noch nicht ganz geklärt. Es gibt aber Hinweise, dass Serotonin dem Körper helfen kann, die Dauer der Wachheit nachzuverfolgen und so auch am Gefühl beteiligt ist, dass wir uns abends müde fühlen.

Die Zeitumstellung bringt uns kaum aus dem Gleichgewicht

Doch, dass diese Hormone im Frühjahr durcheinander geraten sollen, das hält Christine Blume für unwahrscheinlich. Auch die Zeitumstellung reicht ihrer Meinung nach nicht als ein Grund für durcheinandergeratene Hormone aus. Denn diese ist zwar eine kurzfristige Herausforderung für unsere innere Uhr, aber nach einer Woche haben wir uns meistens wieder gefangen. Zudem dürfte die Frühjahrsmüdigkeit dann ja nur nach der Zeitumstellung auftreten, was nicht der Fall ist.

Leere Vitamin-D-Speicher

Eine weitere Erklärung sagt, dass wir uns von den Wintermonaten erschöpft fühlen und unsere Vitamin-D-Speicher leer sind. Wissenschaftlerin Christine Blume stellt sich hier die Frage: Von was sind wir denn genau erschöpft? Denn der Winter unterscheidet sich in vielen Bereichen unseres Alltags, wie zum Beispiel der Ernährung, gar nicht mehr von den anderen Jahreszeiten.

Ein Vitamin-D-Mangel könnte eine Möglichkeit sein. Doch: Warum würden wir diese Müdigkeit gerade jetzt spüren und nicht schon früher, also beispielsweise im Januar?

Durchpowern bis zu den Feiertagen

Dennoch kann man es nicht leugnen: Derzeit fühlen sich viele von uns einfach schlapper und erschöpfter als sonst. Christine Blume hat dafür verschiedene Erklärungen. Bei einer Erklärung spielt dann doch die Zeitumstellung eine kleine Rolle: Denn diese erlaubt uns nun wieder mehr Aktivitäten am Abend, weil es länger hell ist – "Freizeitstress statt Netflix und Chill auf dem Sofa", sagt Christine Blume, kann auch müder machen.

Zudem kann es gut sein, dass sich viele seit Weihnachten keine Pause mehr gegönnt haben und durchgearbeitet haben. Ostern ist häufig ein Zieltermin, bei dem dann viele einmal durchschnaufen können. Das gleiche Phänomen kann man auch vor den Weihnachtsfeiertagen beobachten, sagt Christine Blume.

"Viele haben vielleicht – so wie ich – seit Weihnachten durchgearbeitet, hatten nicht wirklich eine Pause. Dann ist Ostern manchmal so ein Zieltermin, bis zu dem man viele Dinge erledigt haben möchte. Und wenn man dann über seine Kapazitäten gelebt hat, ist man einfach urlaubsreif."
Christine Blume, Schlafforscherin

Das liegt nicht daran, dass unser Körper auf Weihnachten oder Ostern eingestellt ist, sondern, dass wir unseren Lebensrhythmus nach diesen Erholungsphasen häufig gezielt ausrichten.

Zu unserer gefühlten Müdigkeit könnte auch das Tageslicht beitragen. In Studien wurde gezeigt, dass mehr Tageslicht dazu führt, dass wir abends früher müde werden und uns auch müde fühlen. Hier kommen Serotonin oder Melatonin ins Spiel: Beispielsweise wird das Melatonin früher ausgeschüttet und die biologische Nacht verschiebt sich nach vorne. Auch das kann dazu beitragen, dass Menschen das Gefühl haben, dass sie insgesamt müder sind, auch wenn es eigentlich nur den Abend betrifft, erklärt sich Christine Blume.

Raus aus der Dauer-Müdigkeit

Wenn wir uns müde fühlen – egal zu welcher Jahreszeit – dann hilft es immer für ausreichend Schlaf zu sorgen, bedeutet: ins Bett zu gehen, wenn man müde ist und den Abend nicht künstlich in die Länge ziehen. Zudem sind Erholungsinseln elementar, um wieder fitter zu werden. Wer also Müdigkeit verspürt, sollte sich jetzt über die Osterfeiertage auch einfach mal Ruhe gönnen, rät Christine Blume.