Die Tage werden wieder länger. Während wir in den vergangenen Monaten fast zwei Drittel des Tages in Dunkelheit gefristet haben, ist jetzt im März Licht am Ende des Winters zu sehen. Warum fühlt es sich so an, als wäre die Veränderung gerade jetzt besonders stark? Sind das die Frühlingsgefühle, oder steckt echte Astronomie dahinter – darüber sprechen wir mit dem Astrophysiker Michael Büker.

Auch der Astrophysiker Michael Büker hat bemerkt – die Tage werden wieder länger. Nicht beim Blick in die Sterne, sondern auf seine kleine Tochter. Die erlebt gerade ihren ersten Frühling und seit Kurzem gilt: Wenn sie in den frühen Morgenstunden aufwacht und es schon hell ist, dann hat ihr Tag begonnen – egal, ob ihr Vater lieber noch ein paar Stunden schlafen würde. 

Wie viel Tageslicht wir gerade pro Tag hinzugewinnen, hängt davon ab, wo wir wohnen. In München werden die Tage im Februar und März zum Beispiel täglich um rund drei Minuten länger. In Hamburg sind es sogar vier Minuten. Zur Sommersonnenwende freut sich die Metropole an der Elbe dann über 17 Stunden Tageslicht, während es in München nur 16 Stunden sind. Das liegt vereinfacht gesagt daran, dass München etwas näher am Äquator liegt, wo alle Tage gleich lang sind und Hamburg näher am Nordpol, mit monatelangen Polartagen und Polarnächten. 

"Wer das Gefühl hat, dass die Tage zurzeit besonders schnell länger werden, bildet sich nichts ein."
Michael Büker, Astrophysiker

Wer das Gefühl hat, dass die Tage zurzeit besonders schnell länger werden, bildet sich nichts ein, sagt Michael Büker. Die Veränderung der Tageslänge ist zurzeit besonders groß. Wer diesen Zusammenhang verstehen will, muss sich nur vier astronomisch bedeutsame Daten merken: 

  • Zur Wintersonnenwende um Weihnachten sind die Tage am kürzesten, während sie zur Sommersonnenwende im Juni besonders lang sind. 
  • Dazwischen liegen jeweils die Tagundnachtgleichen, und zwar im September und im März. 
  • Ende September werden die Tage besonders schnell kürzer.
  • Im März werden die Tage besonders schnell länger.

Zwischen Sonnenaufgang und -untergang gibt es aus zwei Gründen ein paar Unterschiede. Da ist zum einen die menschengemachte Zeitumstellung. Also die bewusste Entscheidung, eine Stunde morgendlicher Helligkeit in den Abend zu verschieben. Auf der anderen Seite sorgen aber auch astronomische Effekte dafür, dass Sonnenaufgang und -untergang sich ungleichmäßig verschieben. Im Januar wurden dadurch dem Abend ein paar mehr Lichtminuten zugeschlagen als dem Morgen. Jetzt im März ist es umgekehrt, und der Sonnenuntergang wandert schneller als der Sonnenaufgang. 

Zeitumstellung und astronomische Effekte

Die Erklärung für dieses Phänomen ist ein bisschen kompliziert: Es geht darum, dass die Erde keiner perfekten Kreisbahn um die Sonne folgt. Und dann ist da noch die Neigung der Erdachse, die uns überhaupt erst die Jahreszeiten beschert. Zum Glück wurde das alles schon vor Jahrhunderten ausgerechnet – und wir können die Uhrzeiten einfach im Netz nachschlagen.