Oliver Noelting (29) nennt sich selbst "Frugalist". Er ist einer, der viel Geld zur Seite legt, mit dem Ziel, nicht sein Leben lang arbeiten gehen zu müssen. Wie er das anstellt, erzählt er uns im Gespräch.

"Frugalist" - diesen Begriff hat sich Oliver selbst ausgedacht. Er kommt vom Englischen "frugal", was "bescheiden, genügsam" bedeutet. Insofern strebt Oliver ein sparsames Leben an.

"Das Wort habe ich mir selbst ausgedacht - weil die Bewegung, die dahinter steht, gibt es in Amerika oder anderen Teilen der Welt schon länger und heißt dort 'Financial Independence and Early Retirement'. Das ist ein bisschen lang."
Oliver Noelting

Auf seinem Blog frugalisten.de schreibt Oliver, dass er in den letzten Jahren rund 70 Prozent seines Einkommens sparen konnte - "und hatte dabei auch noch richtig Spaß. Wenn es so weiter geht, habe ich noch vor meinem 40. Geburtstag ausgesorgt und muss dann nie wieder für Geld in einem Job arbeiten gehen."

Finanzielle Freiheit bedeutet Unabhängigkeit

Oliver ist zufällig vor vier Jahren auf das Thema gestoßen - über einen bekannten US-Blogger der Bewegung, der sich Mr. Money Mustache nennt: Der hat früher als Software-Entwickler gearbeitet, gut verdient und mit 30 quasi ausgesorgt. Oliver dachte sich: "Krass, das ist cool, das passt zu mir. Das will ich auch machen!" 

Lachender Mann mit einer Frau an einem Strand.
© Oliver Noelting
Oliver sagt, er verkneift sich nichts - auch keinen netten Urlaub mit seiner Freundin.

Was Oliver antreibt, ist der Gedanke, mit 40 tun und lassen zu können, was er will. Das heißt nicht, dass er davon träumt, gar nichts mehr zu tun. Sondern sich "irgendwann freizusparen von dem Zwang, für Geld arbeiten zu müssen". Er möchte entscheiden können: Mache ich mal ein Jahr Pause? Arbeite ich vielleicht in Teilzeit? Oder will ich was ganz anderes tun?

"Man muss nicht im Lotto gewinnen oder viel erben - sondern einfach weniger ausgeben, als man einnimmt."
Oliver Noelting

Jeder kann sparen

Geld zurücklegen könne jeder, meint Oliver. Wer beispielsweise 2000 Euro verdient, aber nur 1000 Euro zum Leben braucht, der kann monatlich 1000 Euro sparen. "Wenn ich das über mehrere Jahre mache, dann habe ich irgendwann so viel Geld, dass ich das anlege." Wenn dann die Kapitalerträge so groß sind, wie die eigenen Ausgaben, brauche man nicht mehr zu arbeiten.

"Ich hatte eigentlich schon immer das Gefühl, ich brauche nicht viel Geld für ein glückliches Leben."
Oliver Noelting

Oliver führt Buch über seine Ausgaben

Oliver selbst arbeitet beruflich halbtags als Softwareentwickler in einer Agentur und ist stundenweise selbstständig tätig. Mit seiner Freundin lebt er in einer 48-Quadratmeter-Wohnung in Hannover, die 600 Euro mit allem kostet. Die Miete teilt er sich mit seiner Freundin. So gibt er im Schnitt 800 Euro monatlich für Miete und Leben aus. Rund 1500 Euro kann er zurücklegen. Das Geld investiert er in spezielle Aktienfonds, sogenannte ETFs.

"Wenn der worst case eintritt, und mein ganzes Geld ist weg, dann muss ich halt ein paar Jahre länger arbeiten gehen - was alle anderen sowieso machen."
Oliver Noelting
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Lebensglück für wenig Geld

Wer jetzt denkt, Oliver gönnt sich überhaupt nichts oder führt ein unglückliches Leben, der liegt falsch. Er träumt nur einfach nicht von einem schnellen Auto oder einem großen Haus. Eine gewisse Bescheidenheit zeichnet ihn im Vergleich zu anderen vielleicht aus. Sein größtes Hobby Skateboard fahren kostet ihn nicht viel. Und er würde auch nicht - nur um dadurch Geld zu sparen - wegziehen von seinen Freunden, nicht mal Essen gehen oder in den Urlaub fahren. Olivers Freunde sind glücklicherweise ähnlich drauf wie er: "Wir können uns auch einen schönen Abend machen, ohne viel Geld auszugeben." 

Bewusster ist besser

In Olivers Lebensphilosophie steckt auch ein bisschen Gesellschaftskritik. Es kann nicht schaden, meint er, sich mal zu fragen, ob wir all die Dinge tatsächlich brauchen, die wir kaufen. "Kann ich nicht vielleicht auch mit weniger Geld sogar besser leben?", fragt er. Die Altenpflegerin, der Friseur - Menschen, die wenig verdienen können sicher nicht viel zur Seite legen. Aber wir alle könnten einen bewussteren Umgang mit Geld anstreben und herausfinden: "Welche meiner Ausgaben bringen mir eigentlich wirklich Zufriedenheit oder Lebensglück?"

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