Helmut Klopfleisch war ein glühender Hertha-Fan, ein leidenschaftlicher Anhänger der westdeutschen Nationalelf und Bürger der DDR. Er überwand auch nach dem Bau der Mauer die innerdeutsche Grenze, um Kontakt zu seinen Idolen zu halten. Und er reiste der Hertha und der Nationalelf auch ins osteuropäische Ausland nach. Irgendwann wurde die Stasi auf ihn aufmerksam. Philipp Köster erzählt seine Geschichte.

Helmut Klopfleisch hat als 6-Jähriger Feuer für den Fußball gefangen. Damals hatte er das 'Wunder von Bern' live mitbekommen, in dem er sich die Nase an einem Schaufenster plattgedrückt hatte. Das Schaufenster gehörte zu einem Geschäft für Rundfunkgeräte, in dem auf einem der Bildschirme das Spiel übertragen wurde. Als Ost-Berliner war er auch Balljunge beim Verein Hertha BSC. Die Mauer war für ihn deswegen auch ein traumatisches Ereignis, weil sie ihn daran hinderte, zu den Spielen seines geliebten Vereins zu gehen.

Zuhörer hinter der Mauer

Man wusste natürlich auch in Ost-Berlin, wann die Hertha spielen würde. Und gerade in den ersten Wochen nach dem Mauerbau sammelten sich viele DDR-Bürger hinter der Mauer, an der Bornholmer Straße oder an der Schieffelbeiner Straße, um von dort aus wenigstens den Geräuschen des Spiels zu lauschen.

"Dieses Spektakel, dass es 'public hearing' auf der Ostseite der Berliner Mauer gab, hat nur wenige Wochen gedauert, dann haben die Polizisten die Hertha-Fans zurück gedrängt."
Philipp Köster, Redakteur des Magazins 11 Freunde

Helmut Klopfleisch blieb der Mannschaft trotzdem treu. Undercover organisierte er Tipprunden, traf sich mit anderen Ost-Berlinern in Hinterzimmern von Kneipen und tauschte sich mit anderen Fans aus. Der Kontakt des Vereins zu den Ost-Berliner Fans war immer eng.

"Was die Stasi sich nicht vorstellen konnte, war, dass da einer nur aus Fußball-Leidenschaft und persönlichem Ehrgeiz, die Spieler kennen zu lernen, so weite Reisen auf sich nahm."
Philipp Köster, Redakteur des Magazins 11 Freunde

Die Stasi vermutete irgendwann, dass Helmut Klopfleisch ein Agent sei und begann ihn zu beschatten. Etwas, was den Fußball-Fan irgendwann zermürbte. Seine Kontakte halfen Klopfleisch aber auch, ihn vor schlimmeren Angriffen durch die Stasi zu bewahren. Die Drohung: Wenn ihr mir etwas antut, steht das morgen in allen Zeitungen. 1986 stellte Klopfleisch einen Ausreise-Antrag. Der jedoch erst im Sommer 1989 bewilligt wurde.