2017 ist ein New-York-Times-Artikel über Harvey Weinstein die Initialzündung für die bis heute vermutlich größte Internetbewegung. Unter dem Hashtag metoo machen Menschen auf sexuellen Missbrauch aufmerksam. Zeit, um Bilanz zu ziehen.

Machtmissbrauch und sexueller Missbrauch sind nicht erst seit 2017 ein gesellschaftliches Problem. Bereits 2006 ruft Schauspielerin Tarana Burke die metoo-Bewegung ins Leben, um auf die Missstände von Schauspielerinnen in Hollywood aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2017 trendet #metoo weltweit

Durch einen 2017 veröffentlichten New-York-Times-Artikel über Harvey Weinstein erhält die Bewegung dann – ausgerufen durch die Schauspielerin Alyssa Milano – zahlreiche prominente Unterstützer*innen. Das Hashtag metoo trendet weltweit in sozialen Netzwerken und viele trauen sich, ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch zu posten.

Zu den prominentesten Frauen, die ihre Erfahrungen nun öffentlich teilen, gehören unter anderem Gwyneth Paltrow, Ashley Judd, Jennifer Lawrence und Uma Thurmann. Auch in Deutschland veröffentlichen Schauspieler*innen ihre Erfahrungen an Sets. Allerdings haben die Vorfälle hierzulande nicht die Tragweite wie in den USA.

"Die Diskussion in Deutschland war innerhalb der Filmbranche, aber sie ist nicht aufarbeitend, sondern proaktiv in die Zukunft gerichtet."
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Fall Dieter Wedel in Deutschland

In Deutschland fordern Betroffene unter anderem divers besetze Sets, Vertrauenspersonen, Schulungen und konkrete Anlaufstellen. Der prominenteste Fall in Deutschland war die Anklage gegen den Regisseur Dieter Wedel.

Schauspielerinnen warfen Wedel gewalttätige und sexuelle Übergriffe in den 1990er-Jahren vor. Die Berliner Schauspielerin Jany Tempel warf Dieter Wedel vor, sie 1996 bei einem Vorsprechen in einem Hotel zum Sex gezwungen zu haben. Dieter Wedel starb vor Prozessbeginn mit 82 Jahren im Sommer 2022.

Nachhaltiger Erfolg von #metoo schwer messbar

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Wollner erklärt, dass metoo zumindest in Amerika etwas verändert habe. Die New York Times hat recherchiert, dass allein durch metoo 201 prominente Männer nach den Anschuldigungen ihren Job verloren haben – die Hälfte davon wurde durch Frauen ersetzt.

Dennoch sei der nachhaltige Erfolg der Bewegung schwer zu bemessen. Zwar sitzt der Produzent Harvey Weinstein im Gefängnis und Rapper R. Kelly wurde verurteilt. Doch andere Angeklagte wie der Schauspieler Bill Cosby sind auf freiem Fuß. Was metoo in den USA erreichte

  • 22 Bundesstaaten erließen Gesetze, um den Arbeitsplatz sicherer zu machen.
  • Es gibt Anlaufstellen für Betroffene.
  • Intimacy Coaches begleiten und koordinieren intime Szenen am Set. Sie sorgen dafür, dass sich alle Beteiligten, gerade Frauen, wohl fühlen.

Die an metoo geäußerte Kritik, dass die Bewegung in einzelnen Fällen zu weit gegangen sei, sieht unsere Reporterin kritisch, "denn wenn man den überwiegend weiblichen Opfern das Gefühl vermittelt, nicht ernst genommen zu werden oder zu weit zu gehen, dann ist die Hemmschwelle, Dinge zu melden und anzusprechen, noch höher und die Dunkelziffer schnellt in die Höhe."

Anna erinnert an den Prozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard. Das Gerichtsurteil zugunsten von Depp sehen viele Beobachter*innen als das Ende der metoo-Bewegung.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin