Ein heller Tunnel, gleißendes Licht, Landschaften wie im Paradies: Menschen mit Nahtoderfahrungen schildern ihre Erlebnisse in den schönsten Farben und Gefühlen. Viele von ihnen freuen sich sogar, wenn sie wieder ins Leben zurückgekehrt sind, auf den späteren Tod.

Sind Nahtoderfahrungen nun real oder nur Halluzinationen? Darüber diskutierten am 20. Juni 2016 Experten mit dem Publikum unter dem Titel "Der Blick ins Jenseits" an der Komischen Oper Berlin. Nach groben Schätzungen machen pro Jahr etwa hundert Menschen in Deutschland, die kurze Zeit klinisch tot waren, solche Erfahrungen. Und sind künftig zwischen Sterben- und Lebenwollen hin- und hergerissen.

"Ich freue mich aufs Sterben enorm, ja! Ich wünsche nur noch mal dahinzukommen, obwohl ich schrecklich gerne lebe."
Teilnehmerin mit Nahtoderlebnis

Auch, wenn sich diese Menschen nicht vom Wahrheitsgehalt ihres subjektiven Erlebens abbringen lassen - Wissenschaftler packen das Phänomen mit viel spitzeren Fingern an. Der Nervenarzt und Neurologe Birk Engmann ist sich sicher, dass Lichterscheinungen, Gitterstrukturen und goldene Spinnennetze, wie sie von den Betroffenen geschildert werden, auf Fehlfunktionen in einer bestimmten Hirnregion zurückzuführen sind.

"Nahtoderfahrungen sind der rational-wissenschaftlichen Analyse zugänglich und somit erklärbar. Nahtoderfahrungen im klinischen Tod sind das Resultat einer schweren Hirnfunktionsstörung."
Birk Engmann, Neurologe

Tatsache ist, dass die Gehirne von Reanimierten unter mangelnder Blut- und Sauerstoffzufuhr gelitten haben und dann nicht mehr so funktionieren wie normalerweise im Leben. Nahtoderscheinungen hätten beispielsweise auch Drogensüchtige, Menschen mit bestimmten Kopfschmerzen oder auch ein Teil der Träumenden - so Engmann. Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho von der Humboldt-Universität Berlin spricht sogar Unterschiede in den Berichten von Nahtoderfahrungen zwischen Ost- und Westdeutschen an. So tauchten Lichtwesen und Tunnelgebilde im Osten viel seltener auf als im Westen.

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