Als 2016 viele Geflüchtete in Europa noch in Notunterkünften gelebt haben, war Rabea Haß mit ihrem Küchen-Container unterwegs. Um Menschen zu treffen und kennenzulernen. Das tut sie bis heute.

Das Projekt von Rabea Haß heißt "Kitchen on the Run" und ist eine mobile Küche, die immer wieder an unterschiedlichen Orten ist und Menschen mit und ohne Fluchthintergrund beim gemeinsamen Kochen und Essen zusammenbringt.

Anfang 2016 war sie mit ihren Helferinnen und Helfern fünf Monate lang überall in Europa unterwegs. Von Süditalien bis nach Schweden. Genau auf dieser Route waren besonders viele Geflüchtete unterwegs. Und das Team wollte so seinen Beitrag zur Integration leisten.

"Mich hat das schon stark geprägt, weil ich auf dieser Reise über 2000 unterschiedliche Menschen getroffen habe."
Rabea Haß, Kitchen on the Run

Vor allem haben Rabea und ihr Team Menschen kennengelernt. "Ich habe auf dieser Reise über 2000 unterschiedliche Menschen getroffen und jeden Abend in neuen Konstellationen mit Leuten aus ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen und mit ganz verschiedenen Geschichten gekocht", erzählt Rabea. Das habe sie geprägt, bis heute.

Denn auch wenn sie als Gründerin von "Kitchen on the Run" dem Thema Integration sowieso schon sehr aufgeschlossen war, hat sie auf ihrer Tour immer noch viel gelernt - und auch einige Vorurteile und Schubladendenken über Bord geworfen.

Die Geflüchteten in ihrer Küche haben ihr von Hinrichtungen berichtet, von Krieg, vom Verlust der eigenen Familie und anderen schrecklichen Dingen. Aber sie hat auch andere viel kleinere Dinge über ihre Küchengäste gelernt. "Zum Beispiel, dass arabische Männer ziemlich viel in der Küche stehen und echt gut kochen können", sagt Rabea Haß. "Das hat so ein bisschen meinem Klischee widersprochen."

Kochen in Kleinstädten

Bei der ersten Tour 2016 war sie die kompletten fünf Monate dabei. In den vergangenen Jahren hat sie den Küchen-Container immer wieder besucht. Denn das Projekt gibt es immer noch. 2017, 2018 und 2019 reiste die Küche durch deutsche Kleinstädte. Da hatte sich bereits vieles geändert.

"2016 ging es darum, mal eine erste Begegnung zu schaffen, Hürden im Kopf abzubauen, Ängste zu nehmen, überhaupt mal ins Gespräch zu kommen", erklärt Rabea. In den Jahren danach ginge es eher um die Fragen: Wie bekomme ich eine eigene Wohnung, wie klappt es im Job und wie komme ich an eine Festanstellung?

"Kitchen on the Run" pausiert wegen Corona

2020 bleibt die "Kitchen on the Run" kalt, in Corona-Zeiten kann sie nicht eingesetzt werden. "Wegen der Coronapandemie ist vielen Geflüchteten wieder gekündigt worden, weil sie im Gastrobereich unterwegs waren", sagt Rabea. "Das ist was, das die Leute noch mal anders aus der Bahn wirft, wenn sie gerade begonnen haben, einen geregelten Alltag aufzubauen, und der dann wieder unterbrochen wird."

"Wenn ich mal Richtung Griechenland schaue oder mich mit Kolleginnen und Kollegen in Süditalien unterhalte, würde ich auf gar keinen Fall von 'Wir schaffen das' sprechen."
Rabea Haß, Kitchen on the Run

"Kitchen on the Run", Rabea Haß und ihr Team haben in den vergangenen Jahren viel geschafft. Heute, fünf Jahre nach Angela Merkels "Wir schaffen das", ist Rabea davon überzeugt, dass wir noch lange nicht alles geschafft haben. Denn auch wenn die Integration in Deutschland ganz gut klappe, liege das auch daran, dass die Probleme in andere EU-Länder ausgelagert würden.

Zum Beispiel Griechenland und Süditalien. "Bilder, die sich irgendwo in griechischen Lagern abspielen oder auch in großen Unterkünften in Italien und auch die vielen Schlauchboote, die da an den Inseln wieder anlanden, die lassen sich hier in der medialen Debatte leichter an den Rand drängen", sagt Rabea. Für sie sind wir noch lange nicht am Ziel.