Von März bis August war der mobile Küchencontainer Kitchen on the Run in Europa unterwegs und hat Flüchtlinge und Beheimatete an einen Tisch gebracht. Die Idee dazu hatten Rabea Haß, Jule Schröder und Andreas Reinhard.

Vor ungefähr einem Jahr wurde die Idee konkret, mit einer mobilen Küche durch Europa zu reisen um Geflüchtete und Beheimatete an einem Tisch zusammenzubringen. Ihre erste Station mit Kitchen on the Run war in Bari in Italien. Für Rabea Haß war das der bewegendste Moment ihrer Kochreise: der erste Abend, an dem sich ihre Idee beweisen musste.

Rabea und ihre Mitorganisatoren Jule Schröder und Andreas Reinhard haben den Eindruck, dass Flüchtlinge und Beheimatete nebeneinanderher leben, ohne sich tatsächlich im Alltag zu begegnen. Selbst haben sie als Kochbegeisterte die Erfahrung gemacht, dass der Küchentisch ein idealer Ort ist, um neue Menschen, deren Geschichte und Kultur kennenzulernen. Über das Essen transportieren wir unserer Familientradition und Herkunft, sagt Rabea.

"Es ist viel einfacher nebeneinander zu stehen und Zwiebeln zu schneiden und mal zu schweigen."

Rabea, Jule und Andreas sind mit ihrem Küchencontainer von Bari weiter nach Marseille, Duisburg, Deventer und schließlich Göteborg gefahren. Diese Route steht symbolisch für den Fluchtweg, den viele Geflüchtete Richtung Norden nehmen. Vor Ort blieben sie rund vier Wochen und haben mit den Menschen die Rezepte gekocht, die sie mitbrachten. 73 Nationen fanden in dem Küchencontainer Platz, der von Studenten der TU Berlin entworfen und ausgebaut wurde. Der Container wurde von einer Firma gesponsert und das Startkapital haben die Drei über einen europäischen Ideenwettbewerb gewonnen.

Forschungsaufgabe: Wie kann ein Integrationsprojekt gelingen?

Gleichzeitig war die Kochreise auch eine Forschungsreise. Die Containerköche haben Interviews vor Ort mit den Beteiligten geführt, statistische Daten erhoben und eine Online-Umfrage bei den Teilnehmern durchgeführt. Gleichzeitig haben sie alles dokumentiert: Was lief gut? Was lief schlecht? Ziel der wissenschaftlichen Auswertung ist die Beantwortung der Frage: Wie kann ein Integrationsprojekt aufgestellt werden, damit es Erfolg hat und nachhaltig ist?

Probleme = 0

Das einzige Problem bei der Auswertung: Es gab keinen einzigen Abend, an dem etwas schief gegangen wäre, sagt Rabea. Deshalb sei jetzt ihre Aufgabe herauszufinden, warum es immer so gut geklappt hat. Ihre Vermutung: Es lag an den Dreien als Person, die wohl die richtige Art und Weise fanden, auf die Menschen zu zugehen. Nur einmal sei ein Paar aus der Mongolei dabei gewesen, mit dem die Kommunikation sehr schwer gewesen sei, weil niemand ihre Sprache gesprochen habe.

"Für uns war es kulinarisch eine sehr abwechslungsreiche und wahnsinnig leckere Reise. Wir haben an keinem Abend schlecht gegessen."
Rabea Haß, Kitchen on the Run

Der Küchencontainer steht jetzt in Berlin in den Ministergärten der hessischen Landesvertretung in Berlin und wird von Über den Tellerrand e.V. betrieben. Über den Winter wird er dann eingelagert. Wer sich für dieses und ähnliche Projekte interessiert, kann sich bei Über den Tellerrand e.V. informieren.

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