Jessika lebt nicht mehr, aber ihre Daten sind sehr lebendig. Sich im Spiel durch ihre persönliche Geschichte zu wühlen, ist die Aufgabe der Spielerinnen und Spieler - und ziemlich spannend.

"Jessika" ist die Hauptfigur in dem gleichnamigen PC-Spiels und sie lebt nicht mehr - alles deutet auf einen Suizid hin. Ziel ist es, für die Hinterbliebenen die Daten der Toten zu rekonstruieren. Erinnerungen, an die die Familie sonst nicht mehr herankommt, herausfinden, was passiert ist. Dabei erfahren die Spielenden nach und nach viel mehr, als sie eigentlich wissen wollten - und wissen dürften.

"Eigentlich ist 'Jessika' ein Detektiv-Spiel. Der Spieler oder die Spielerin arbeiten für eine Organisation, die Computer, Handys, Mailboxen, die ganzen Daten von Verstorbenen durchwühlt."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Spurensuche funktioniert so: Die Spielerinnen und Spieler bekommen Zugriff auf die Festplatte von Jessika und fangen an, ihr Leben zu durchschnüffeln. Dafür müssen sie die passenden Begriffe eintippen: Jessika, Kindheit, Vater, Mutter. Denn Jessika hat Videos produziert, eine Art Videotagebuch geführt, in dem sie aus ihrem Leben erzählt.

"Ich habe als erstes 'Jessika' eingetippt. Dann ploppen vier Videodateien auf – gefilmten Szenen mit einer echten Schauspielerin, aus diesen Videos besteht das Spiel."
Thomas Ruscher, Deuttschlandfunk-Nova-Reporter

"Jessika" ist ein Full-Motion-Video-Game, das Spiel besteht vor allem aus gefilmten Videosequenzen. Die Schauspielerin Lisa Sophie Kusz schaut die meiste Zeit frontal in die Kamera und erzählt. Von der Kindheit der Hauptfigur aus erschließt sich nach und nach die Familiengeschichte.

Alles sieht nach Famileindrama aus, vor allem als Jessika noch ein Geschwisterchen bekommtn. In einer ihrer Botschaften sagt Jessika: "Mein Vater hat sich immer um es gekümmert, meine Mutter hat angefangen zu saugen und zu heulen, und alles war schlimmer, als es vorher war."

"Das ist so, als wenn ich dir jetzt mein Handy geben würde. Wir kennen uns beide nicht. Darüber kannst du mich dann kennenlernen. Das ist dann halt in diesem Fall das Spiel Jessika."
Seren Besorak, Spieleentwickler, TriTrie-Games

Schnüffelnd jemanden kennenlernen, nennt Seren Besorak das. Er gehört zu dem Team des Kölner Spielestudios TriTrie-Games. Außer ihm haben Pierre Schlömp und die Programmiererin Sarah Abouzari an dem Spiel gearbeitet - rund zwei Jahre lang. Auch "Jessika" selbst, die Schauspielerin Lisa Sophie Kusz, hat die Geschichte und vor allem die Figur "Jessika" mitentwickelt.

Das Entwicklungsteam von TriTrie Games: Pierre Schlömp, Sarah Abouzari und Seren Besorak
© Costa Belibasakis | TH Köln
Haben "Jessika" entwickelt: Pierre Schlömp, Sarah Abouzari und Seren Besorak

Das Team wollte aber kein Familiendrama erzählen, die Geschichte entwickelt sich und schließlich rutschen die Spielenden selbst in den Mittelpunkt: "Der Laptop wird gehackt – jemand greift auf den Rechner zu, es werden Videodateien gelöscht, es gibt Fehlermeldungen", sagt Thomas Ruscher. Im Spiel wird klar: Jessika ist ganz und gar nicht die harmlose Frau, die von ihrer Kindheit erzählt - und schließlich gibt es sogar Tote. Die Spielenden erleben mit, wie sich Jessika immer weiter radikalisiert hat. Der Weg dorthin ist spannend, findet Thomas.

"Ein 300-Seiten-Sachbuch über Radikalisierung hätte ich nicht unbedingt gelesen. Aber ein Spiel, das das Thema spannend umreißt, kann man echt gut mal machen."
Thomas Ruscher, Deuttschlandfunk-Nova-Reporter

Außerdem haben wir mit Thomas über das Genre Full-Motion-Games und seine Ursprünge in den 90er Jahren gesprochen – "Night Trap" von 1992 zum Beispiel. Dann ist da noch "Deathtrap Dungeon – The Interactive Video Adventure". Thomas erklärt, warum es in genervt hat und er "Dark Nights" hingegen hübsch findet. Das ganze Gespräch könnt ihr mit einem Klick auf das Playsymbol anhören.

Wenn du selbst von Suizidgedanken betroffen bist, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du – auch anonym – mit anderen Menschen sprechen kannst. Eine Übersicht der Angebote findest du zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Sofortige Hilfe erhältst du rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummern 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222. Und im Internet unter www.telefonseelsorge.de.