Nur die ersten zwei Wochen hat ihr Rucksack extrem gescheuert. Danach hat sie sich dran gewöhnt. Vier Monate hat Sarah Langmaack mit Pferd und Hund von Lappland bis Wewelsfleth in Schleswig-Holstein gebraucht. Zu Fuß.

Zwei Paar Wanderstiefel sind auf den 2300 Kilometern drauf gegangen. Pro Tag war Sarah Langmaack im Schnitt 25 bis 30 Kilometer unterwegs. Dann waren die Tage ausgefüllt und sie am Abend nicht total erschöpft, sagt sie. Sie ist Anfang Dreißig und war 2014 mit ihrem Pferd nach Skandinavien gereist. Nun ist sie zurück.

Großes Willkommen in Wewelsfleth. Sarah Langmaack bei ihrer Ankunft nach vier Monaten Wanderung.
© Sarah Langmaack
Großes Willkommen in Wewelsfleth. Sarah Langmaack bei ihrer Ankunft nach vier Monaten Wanderung.

Damals wollte sie am liebsten nach Finnland oder Schweden und dort mit Tieren arbeiten. Auf der Suche nach einer Husky-Urlaubs-Tour stieß sie auf einen Bericht über eine freiwillige Helferin auf einer Huskyfarm. Dort ist sie dann auch gelandet.

"Die Natur ist einfach noch ursprünglich und wild und der Mensch hat noch nicht so viel eingegriffen."
Sarah Langmaack

In Lappland hatte sie viel mehr Zeit für sich, findet sie. Die Freunde waren nicht da. Die Familie auch nicht. Überhaupt gab es viel weniger Möglichkeiten. Sarah Langmaack ist begeistert von Skandinavien - je nördlicher, desto besser.

Für die Rückreise hatte sie deshalb das Gefühl, dass es nicht funktioniert das Pferd wieder in den Anhänger zu stellen, in vier Tagen runter zu fahren und mit einem "großen Knall" wieder in der Zivilisation anzukommen. 

"Irgendwie fand ich die Idee schön, langsam anzukommen. Und das hieß für mich dann Laufen."
Sarah Langmaack

Vier Monate Wanderung mit Pferd und Hund

Ihr Pferd Santano musste alle zwei Wochen neu beschlagen werden und ihr Hund - ein Husky - "der ist eigentlich fürs Laufen gemacht. Beide haben das gut weggesteckt."  Verletzungstechnisch gab es keine Probleme, sagt sie.

In Schweden und Finnland gibt es das Jedermannsrecht, das heißt jeder darf überall sein Zelt aufschlagen und eine Nacht bleiben. In den ersten Wochen hat Sarah das so gemacht, denn Nordschweden ist ziemlich einsam. Wenn es Bewohner gab, haben die sie gerne auf ihren Wiesen übernachten lassen.

"Mit den meisten Leuten habe ich dann abends auch zusammen gegessen, weil sie wissen wollten, wie es so läuft."
Sarah Langmaack

Zur Vorbereitung ist sie mit beiden Tieren jeden freien Tag spazieren gegangen. Aber eigentlich hat sie mehr Verhaltenstraining gemacht. Denn die Tiere mussten sich aneinander gewöhnen: "Sie mussten lernen zusammen irgendwo angebunden zu werden." 

Die Begleiter von Sarah Langmaack auf dem Pferdeparkplatz vor einem Supermarkt: Pferd Santano und der Husky Qaanaag.
© Sarah Langmaack
Die Begleiter von Sarah Langmaack auf dem Pferdeparkplatz vor einem Supermarkt: Pferd Santano und der Husky Qaanaag.

Außerdem musste sich ihr Pferd mit den Packtaschen wohlfühlen. Santano hatte fast 70 Kilo auf dem Rücken. Außerdem war er breiter als sonst und passte nicht mehr überall durch. Dann auch noch die Geräusche von Ästen, die an den Packtaschen reiben - all das war ihm fremd. Damit auch ihr Hund mitspielt, hat sie ihm Kommandos beigebracht.

In der fünften Woche ging alles schief

"Ein richtiges Tief hatte ich in der fünften Woche", erzählt Sarah Langmaack. Santano  wurde von einem anderen Pferd in den Rücken gebissen. Tagelang konnte er deshalb keinen Sattel tragen und ihr Hund hatte eine Vergiftung, weil er irgendeine Pflanze gefressen hatte. Dann ist ihr Pferd auch noch auf ihr Handy getreten. "Jeden Tag ist irgendwas dummes passiert und dann noch die ganzen Mücken." 

Weil sie alles lange geplant und sich auf ihre Reise so gefreut hatte, wollte sie nichts überstürzen und früher abbrechen. Sie hat nur die Route etwas geändert. Richtung Küste, wo mehr Menschen leben und auch Pferde.

"Das Pferd war von den Mücken so nervös und ist die ganze Nacht hin und her gelaufen. Wenn man im Zelt daneben schläft, bekommt man natürlich kein Auge zu. Da war ich so müde und kaputt.“
Sarah Langmaack

Aus Lappland ist Sarah Langmaack nur schweren Herzens weggegangen. Skandinavien wird sie aber auf jeden Fall weiterhin bereisen - im Urlaub - und auch auf der Huskyfarm in Lappland aushelfen, bis sie wieder mal abreisen muss.

"Ich weiß gar nicht, was ich am meisten vermisse. Vor allem aber diesen Lebensstil. So einfach nach der Arbeit in der Natur zu sein und zu überlegen, gehen wir jetzt Grillen oder Schwimmen. Und diese langsamer schlagenden Uhren.“
Sarah Langmaack