Die Enthüllungen durch Football Leaks haben zu ein paar Veränderungen im Fußball geführt. Im Großen und Ganzen läuft aber alles so weiter wie bisher. Der Enthüllungsjournalist Rafael Buschmann geht mit Football Leaks 2 quasi in die zweite Runde. Wir haben ihn nach seiner Einschätzung über den Verlauf gefragt.

Der Whistleblower Rui Pinto hat durch seine Enthüllungen für eine ziemliche Erschütterung im Profi-Fußball gesorgt. Bekannt wurden Steuerhinterziehungen von Promi-Fußballern wie Christiano Ronaldo oder Lionel Messi, Spielmanipulationen verbunden mit enormen Gewinnen bei Spielwetten und fragwürdige Verträge.

Nachdem Rui Pinto mit seinen Dokumenten an Medien und die französische Staatsanwaltschaft herangetreten ist, sitzt er in Portugal wegen "Erpressung" und "Cyberkriminalität" seit über sieben Monaten in Untersuchungshaft. Den Vorwurf der Erpressung streitet Rui Pinto vehement ab: Es sei nie Geld geflossen, hat er dem Journalisten Rafael Buschmann gesagt.

"Nach den Football-Leaks-Enthüllungen hatte sich Rui Pinto einen deutlich größeren Knall bei den Fans und mehr Widerstände von Fans erhofft, weil die Fan-Gelder durch Ticketverkauf oder Fan-Artikel genau in diesem System landen."
Rafael Buschmann, Journalist

Rafael Buschmann kritisiert, dass für Rui Pinto sehr harte Haftbedingungen angesetzt sind: Sechs Monate hat Rui Pinto sich in Isolationshaft befunden. "Das ist ein Vorgang, der in Europa bislang einmalig ist, dass jemand für Cyberkriminalität eine so lange und harte Haftzeit erleiden muss", kritisiert Rafael Buschmann. Am 12. Dezember findet die erste Anhörung zur Anklageschrift statt.

"Rui Pinto ist ein richtiger Fußball-Nerd. Er kennt sich im europäischen Fußball, in den Ligen und in den Beraterstrukturen sehr gut aus."
Rafael Buschmann, Journalist

Gegenüber Rafael Buschmann hat Rui Pinto auch erklärt, dass er gemeinsam mit anderen diese Enthüllungen geplant hat, weil er den Fußball nicht durch diese Machenschaften kaputt gehen lassen möchte. Nach Aussage von Rafael Buschmann hat das Team wahrscheinlich rund 27 Terrabyte Daten gesammelt. "Das ist ein riesiger Datenschatz", sagt Rafael Buschmann. Rui Pinto habe gesagt, dass ihm selbst die Daten zugespielt worden seien.

Schmutzige Geschäfte im Fußball aufgedeckt

Der Journalist und Spiegel-Reporter Rafael Buschmann hat gemeinsam mit Micheal Wulzinger "Football Leaks: Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball" veröffentlicht. Jetzt haben sie mit "Football Leaks 2" nachgelegt.

©
Die Dokumente von Rui Pinto sind die Grundlage für Rafeal Buschmanns Bücher über Football Leaks.

Hat sich der Profifußball seitdem wesentlich verändert? Rafael Buschmann sagt, dass es ein paar Veränderungen gibt, wie etwa die Bildrechtetransfers. Im Jahr 2016 wurden dadurch noch Steuerflüchtige und –betrüger begünstigt. Heute hat sich das geändert. Auch bei den Spielervermittlungen und –beratungen herrsche extreme Vorsicht. Die Verbände würden darauf einen deutlich kritischeren Blick werfen.

"Wenn man von einer grundsätzlichen Veränderung spricht wie, dass sich die Kultur in dem Business verändert hat, muss ich sagen, hat die noch nicht stattgefunden."
Rafael Buschmann, Journalist

Rafael Buschmann selbst haben am meisten die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Christiano Ronalde aufgewühlt. "Ich habe selten einen Fall gesehen, der auf so vielen Dokumenten basiert." Christiano Ronaldo bestreitet die Vorwürfe. Trotz der zahlreichen Dokumente sei es bislang nicht zu einem öffentlichen strafrechtlichen Prozess gekommen. Rafael Buschmann ist davon überzeugt, dass dieser Fall der Öffentlichkeit hätte zugänglich gemacht werden müssen.

Illegaler Menschenhandel im Fußball

Daneben gibt es noch viele weitere Punkte, die Rafael Buschmann bis heute bewegen. Etwa der illegale Spielertransfer mit Minderjährigen oder die Transfer-Summe von über 380 Millionen Euro der UEFA an den ukrainischen Verband. Das Geld wurde über das Konto in einer Steueroase an den Verband weitergeleitet.

"Die wichtigste Erkenntnis für mich nach all diesen Enthüllungen ist, dass man die Fußballbranche sich nicht selbst überlassen darf."
Rafael Buschmann, Journalist

All diese Enthüllungen haben bei Rafael Buschmann zu der Erkenntnis beigetragen, dass die Fußballbranche nicht sich selbst überlassen werden darf. Staatsanwaltschaften, die Öffentlichkeit, Kontrollen und politischer Druck auf den Fußball seien wichtig, damit sich die Kultur im Fußball ändert.

Gesellschaft ist gefordert

Dass das bislang ausgeblieben ist, frustriere ihn nicht. Rafael Buschmann sieht seine Aufgabe darin, die Informationen der Öffentlichkeit bereitzustellen. An den Missständen etwas zu ändern, sei letztlich Aufgabe der Gesellschaft.

Bei der Prüfung der Unterlagen haben die Journalisten die Betroffenen mit den Informationen konfrontiert. Unter all den Dokumenten sei ihnen bis heute keines in die Hände gekommen, das manipuliert gewesen sei. Auf den Vorwurf, sie würden mit ihren Enthüllungen den Fußball kaputt machen, antwortet Rafael Buschmann: "Das Gegenteil ist der Fall. Wir versuchen den Fußball zu schützen und ihm die Glaubwürdigkeit zu erhalten, indem wir die Menschen, die den Fußball beschädigen, in die Öffentlichkeit ziehen".

Minderjährige Spieler sind schutzlos ausgeliefert

Insgesamt sind es über 70 Millionen Dokumente, sagt Rafael Buschmann. Deshalb komme es auch immer wieder zu neuen Enthüllungen, weil längst noch nicht alle Dokumente und Daten gesichtet seien.

Eine verwirrende und undurchsichtige Praktik sind illegale Ligen in Großbritannien. Dabei geht es darum, minderjährige Spieler in ausländische Clubs zu transferieren. Diese dürfen ohne Eltern das Land nicht verlassen, um in einem ausländischen Club zu spielen. Legal ist das nur möglich, wenn die Eltern mit ins Ausland gehen und dort leben.

Weil sich die illegalen Spielertransfers in einer Art Schattenwirtschaft abspielten, sind die Spieler den Beratern und Profiteuren dieses Geschäfts schutzlos ausgeliefert, sagt Rafael Buschmann. Nur wenige der minderjährigen Spieler, die in diesen illegalen Ligen spielen, würden später offiziell in einem Verein spielen. Was aus den anderen Spielern würde, sei völlig unklar. Eine Konsequenz aus den Enthüllungen: Transfersperren für die großen Vereine.

"Die Bundesliga ist keinen Deut besser oder schlechter als andere Ligen."
Rafael Buschmann, Journalist

Die deutsche Bundesliga sei nicht besser als die anderen Ligen in Spanien oder Italien, aber sie hätten bislang nur wenig zur deutschen Liga in den Datensätzen gefunden, sagt Rafael Buschmann. Aus Gesprächen mit Insidern und Verantwortlichen sei jedoch klar, dass viele illegale Vorgänge, die sie im Ausland aufgedeckt hätten, auch in Deutschland betrieben würden.

Auch wenn all diese Enthüllungen wie Football Leaks oder Panama Papers oder die Enthüllungen durch Edward Snowden eigentlich jedesmal zu einem "Knall" oder zu kritischem Denken und Diskussion hätten führen müssen, gehen die Dinge weiter wie bisher, meint Rafael Buschmann. Wir nutzen weiter Facebook und Smartphones, Steueroasen bestehen noch und so ändert sich auch nichts im Fußball.

Es müsse ein Druck auf die Justiz und die Politik entstehen, damit sich die Dinge ändern, sagt Rafael Buschmann.