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Im Romandebüt "Lanz" von Florin Jecker schreibt der gleichnamige 14-jährige Lanz an einem Blog. Aber nicht für sich selbst. Sondern eigentlich nur, um endlich Lynn kennenzulernen.

Superätzender Tag. Und dann ist da auch noch Mani, der schicke Mann mit seinem Hemd, tip top in die Hose gesteckt, aber auf Socken, so, als würde er hier gleich einziehen wollen, mit seiner Brille und mit seinem Smartphone, das er ordentlich auf dem Tisch neben Teller und Tasse abgelegt hat, so, als würde er längst hier bei ihnen wohnen.

"Weißt du, was meine Mam gemacht hätte, wenn ich so an den Tisch gekommen wäre?" – Mani beugt sich rüber. So als würde er gleich ein Geheimnis verraten. Dabei ist klar, was jetzt kommt. Seine Mutter hätte ihm eine gescheuert. Schön für ihn. Oder für sie. Lanz aber lässt das kalt. Seine Mutter würde ihn nie schlagen. Und das sagt sie dann auch. Und Mani verstummt.

Vier Tage ohne Lynn

Vier Tage von dieser dämlichen Projektwoche, in der sich Lanz für das dämlichste Projekt von allen eingetragen hat: Ich schreibe einen Blog. Vier Tage mit dem Lehrer Herr Gilgen, den Lanz schon übel findet, wenn der ganz "normal" drauf ist. Und vier Tage ohne Lynn.

Dabei macht er das alles nur für sie. Also, um Lynn kennenzulernen. Weil Andi gesagt hat, sie wählt das Blogschreiben-Projekt, und Andi muss es eigentlich wissen, weil er Lynns Nachbar ist, und irgendwie auch ihr Kumpel, aber Andi kifft die ganze Zeit, der kann auch einfach nur Scheiße erzählt haben. Und jetzt hat Lanz den Salat. Er sitzt eine Woche lang morgens und nachmittags mit Gilgen und anderen Deppen im Computerraum und soll was schreiben. Über sich selbst. Für einen Blog. Und Lynn? Die ist gar nicht da.

"Über das meiste, was ihn beschäftigt, spricht Lanz nicht. Seine Mutter arbeitet im Schichtdienst und in leitender Position, sie hockt also selbst an ihren freien Tagen in irgendwelchen Besprechungen."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova

"Lanz" heißt das Romandebüt des Schweizers Flurin Jecker. Lanz heißt auch sein vierzehn Jahre alter Protagonist, der eine Woche lang tief blicken lässt.

Wann soll er seiner Mutter von dem Mädchen erzählen, an das er jeden Tag denkt, obwohl er nur seinen Namen kennt? Wie soll er ihr erklären, dass lediglich ein Blick von ihr gereicht hat, auf dem Schulhof, bereits vor Wochen, um ihn durcheinanderzubringen? Wann soll er seiner Mutter sagen, dass er einen Blog schreiben soll, aber nicht weiß, worüber? Und wie soll er ihr sagen, dass er sich unwohl fühlt, mit Mani, mit ihr, mit den Besuchen bei seinem Vater – und mit sich selbst?

Am zweiten Projekttag sitzt Lynn neben ihm. Lanz kann sein Glück nicht fassen. Aber genauso wenig kann er was draus machen. Ist schließlich nicht der perfekte Ort für eine Liebeserklärung, so ein Computerzimmer. Lehrer Gilgen labert vorne was von Layout und Thema. Die anderen hacken bereits auf ihre Tastaturen ein – und er? Lanz seufzt und dann schreibt er einfach drauflos.

"Lanz" von Flurin Jecker, erschienen bei Nagel & Kimche, 125 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 18 EUR, E-Book: 13,99 EUR, 2017