Fußball ohne Fans ist schwer vorstellbar. Sie sorgen für die richtige Atmosphäre im Stadion. Den Gegner auszubuhen oder rassistisch zu beleidigen, gehört allerdings nicht dazu. Italien will gegen solche Fans nun strenger vorgehen.

Beim EM-Qualifikationsspiel zwischen England und Bulgarien haben bulgarische Fans Affenlaute von sich gegeben und den Hitlergruß gezeigt. Nach dem Spiel wurden sechs bulgarische Fans deswegen festgenommen.

Bulgarische Fußballfans zeigen während des EM-Qualifikationsspiels zwischen England und Bulgarien in Sofia den Hitlergruß. (14. Oktober 2019)
© imago images/Sportimage | Sofia 14.10.2019
Bulgarische Fußballfans zeigen während des EM-Qualifikationsspiels zwischen England und Bulgarien den Hitlergruß. (14. Oktober 2019)

Eine Liga, in der solche Vorfälle leider zur Regel gehören, ist die Serie A in Italien, sagt unser Reporter Vassili Golod. Dort wurden in den letzten Monaten immer wieder Spiele unterbrochen, weil es rassistische Vorfälle gab. Deshalb will der italienische Fußballverband jetzt Konsequenzen ziehen.

"Rassistische Fans ausfindig zu machen, ist ohne Hilfsmittel fast unmöglich."
Vassili Golod, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Um unter tausenden Fans diejenigen zu finden, die rassistischen Nonsense von sich geben, will Gabriele Gravina, der Präsident des italienischen Fußball-Verbands, jetzt technische Hilfsmittel einsetzen. Er kündigte an: "Das muss aufhören, und dafür werden wir den Videobeweis nutzen."

"Videobeweis" ist eigentlich der falsche Begriff, meint Vassili Golod. Genau genommen gehe es um eine Form der Videoüberwachung im Stadion – und damit natürlich auch um einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Fans.

Videokamera findet die Schuldigen

Aus juristischer Sicht sei die Sache aber sauber, meint unser Reporter. Denn beim Ticketkauf willige jeder Fan ein, dass er gefilmt werden kann. Und der Ansatz sei auch fair denjenigen Fans gegenüber, die nichts mit den rassistischen Sprüchen zu tun haben, meint Fabian Töpel aus der ARD-Rechtsredaktion. So müsste man nicht den ganzen Verein bestrafen, sondern lediglich diejenigen, die mitgemacht haben.

"Bislang werden die Vereine für das Verhalten ihrer Fans bestraft. Und mit diesem Verfahren könnte man eventuell auch den Fan, der es wirklich getan hat, für den möglichen Spielabbruch verantwortlich machen."
Fabian Töpel, ARD-Rechtsredaktion

Solche Fans könnten beispielsweise wegen Beleidigung angezeigt werden, sagt Vassili Golod. Und der Verein könnte die Strafe vom Verband einfach an den Fan weitergeben. In Deutschland ist eine derartige Überwachung und Auswertung von Stadionbildern bislang noch kein Thema.