Auf russischen Stadionbaustellen für die Fußball-WM 2018 sind nordkoreanische Arbeiter eingesetzt worden. Diese mussten unter sklavenähnlichen Bedingungen ran. Ein Teil ihres Lohnes ging als Zwangsabgabe an die Regierung in Pjöngjang.

Die meisten Stadien für den Confed-Cup vom 17. Juni bis 02. Juli 2017 in Russland sind einsatzbereit. Allen voran das Stadion in Sotschi, das bereits für die Olympischen Winterspiele erbaut wurde. Etwas schwieriger gestaltet sich das Ganze in St. Petersburg. Auch das Stadion steht zwar und wurde nach elf Jahren Bauzeit im April endlich eingeweiht, aber als ARD-Autor Robert Kempe vor Ort war, gab es noch etliche Probleme. Mit dem Dach zum Beispiel oder dem dann doch nicht herausfahrbaren Rasen.

"In Russland muss vieles neu gebaut werden. Zum ersten Mal findet in diesem Land eine WM statt."
Robert Kempe, TV-Journalist

Elf Städte wurden für die WM als Gastgeber ausgesucht – in vielen gab es vorher keine Stadien. Dort musste extra neu gebaut werden. Wie ein norwegisches Magazin im Februar berichtete, wurden dazu im vergangenen Jahr für zwei Monate Arbeiter aus Nordkorea beschäftigt - zum Beispiel auf der Stadionbaustelle in St. Petersburg. Dort mussten sie unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften.

Die Fifa und auch das russische Organisationskomitee sprachen zunächst von einer einmaligen Angelegenheit und bestritten die unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Daraufhin hat sich das Autorenteam um Robert Kempe in Moskau umgesehen, auf dem Luschniki-Park. Angetroffen haben sie auf der Baustelle – nordkoreanische Arbeiter. 

Überwachung und Zwangsabgaben

Das Problematische sei, sagt Robert Kempe, dass die Arbeiter in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt seien, dass sie überwacht würden und unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssten. Das wirklich Prekäre aber sind die von den Arbeitern zu entrichtenden Zwangsabgaben:

"Die Vereinten Nationen gehen klar davon aus, dass diese nordkoreanischen Arbeiter Zwangsabgaben ihres Lohns an das Regime in Pjöngjang entrichten müssen."
Robert Kempe, TV-Journalist

Mit diesen Abgaben sollen Raketen- und Nuklearprogramme finanziert werden. Die Fifa nannte die Vorwürfe zunächst absolut unerhört, musste aber inzwischen einräumen: Ja, die nordkoreanischen Arbeiter haben unter entsetzlichen Bedingungen gearbeitet. Auch die Unterbringung der Arbeiter und die hygienischen Zustände in den Unterkünften sind mehr als mangelhaft.

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