Argentinien ist Weltmeister. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist nun vorbei. Neben dem Sport gab es viel Kritik an Katar und der Fifa. Matthias Friebe aus unserer Sportredaktion war vor Ort und zieht persönliche Bilanz.

Es war eines der besten WM-Finals ever, sagen viele – auf jeden Fall eines der spannendsten. Am Ende hat sich Argentinien im Elfmeterschießen gegen den jetzt Ex-Weltmeister Frankreich durchgesetzt.

"Wir haben es geschafft. (…) Für meine Kameraden, für ganz Argentinien. Jetzt sind wir Weltmeister."
Lionel Messi, argentinischer Fußball-Weltmeister

Argentinien ist ein würdiger Weltmeister, sagt Matthias Friebe, der für den Deutschlandfunk aus Katar berichtet hat, inzwischen aber schon wieder zurück in Deutschland ist. Über das ganze Turnier gesehen – vielleicht mit Ausnahme des verlorenen ersten Spiels gegen Saudi-Arabien – hat Argentinien sehr überzeugend gespielt. Auch im Finale sei Argentinien bis zur 80. Minute das deutlich aktivere und bessere Team gewesen, das viel häufiger den Abschluss suchte und verdient mit 2:0 führte.

Doch dann kam der französische Superstar Kilian Mbappe und schoss – inklusive Verlängerung – drei Tore für Frankreich, davon zwei per Elfmeter. Wer innerhalb von zwei Minuten zwei Tore macht, sich in die Verlängerung rettet und da dann noch mal einen weiteren Rückstand aufholt, der erreicht auch "mindestens verdient" das Elfmeterschießen, findet Matthias Friebe.

Das beste WM-Finale seit langem

Ab Minute 80 war das Finale der WM 2022 – sportlich und was die Spannung betrifft – atemberaubend, da sind sich mehr oder weniger alle Beobachter*innen einig. Es war ein Fest für Fußballfans und die, die es noch werden wollen – mit dem besseren Ausgang für Argentinien, die jetzt nicht nur Südamerikameister, sondern auch Weltmeister sind.

"Bis zur 80. Minute war Frankreich eigentlich gar nicht zu sehen auf dem Platz."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

In Westeuropa, gerade in Deutschland, sei die WM in Katar besonders kritisch gesehen worden. Auch die Einschaltquoten waren hier bei uns – erst Recht nach dem deutschen Ausscheiden in der Vorrunde – mäßig. Wenn man mal quer über den Globus schaue, sei das allerdings ganz anders gewesen, sagt Matthias Friebe. Die Begeisterung zum Beispiel in Brasilien und Argentinien war riesig.

Positiv: Fans mischen sich in Doha

Am Morgen nach dem Finale seien seine Gefühle "sehr gemischt", sagt Matthias Friebe. Die WM habe durchaus auch ihre positiven Seiten gehabt. Dadurch, dass die Wege so kurz waren in dem kleinen Land, seien zum Beispiel die meisten Teams und Fans in Doha untergebracht worden. Dadurch habe sich das alles sehr international gemischt an einem Ort – nicht so wie beispielsweise in Russland 2018 oder Brasilien 2014, wo in der Stadt des jeweiligen Spiels dann immer nur die Anhänger der beiden spielenden Mannschaften Stimmung gemacht haben.

"Eine Absurdität dieser WM: Es mussten 150 Direktflüge pro Tag aus Dubai kommen, um die Fans immer wieder nach Katar zu bringen."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Wobei man diesen positiven Punkt auch schon wieder einschränken müsse: Die Kapazitäten in Katars Hauptstadt hätten bei weitem nicht ausgereicht und es mussten jeden Tag 150 Direktflüge aus Dubai kommen, um die Fans zu transportieren.

Viel Negatives bleibt hängen

Wenn man das Sportliche mal beiseite lasse, bleibe vor allem hängen, dass diese WM mit unglaublich viel Geld erkauft wurde. Diese "ganzen negativen Seiten", über die vor allem in Westeuropa viel berichtet wurde, habe man "in gewissem Sinne auch spüren können vor Ort", sagt unser Sportreporter.

"In gewissem Sinne war es auch eine Plastik-WM, würde ich sagen. Ein bisschen künstlich und ein bisschen übertrieben von allem."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Ein Umdenken bei der Fifa hat die WM nicht ausgelöst, ist sich Matthias Friebe sicher. Der Weltverband und sein Chef Gianni Infantino machten einfach weiter, das sei schon bei der Pressekonferenz zu bemerken gewesen: Neue, noch größere Turniere, die man sich ausgedacht hat und die neue Rekordeinnahmen versprechen, wurden angekündigt – darunter eine Weltmeisterschaft für 32 Vereinsmannschaften im Sommer 2025.

Die Fifa sei "schlicht und ergreifend eine Gelddruckmaschine" und daran werde sich auch nichts ändern. Was sich vielleicht ändern könnte, ist die "Sicht des DFB auf den ganzen Zirkus", glaubt unser Sportreporter. In anderthalb Jahren findet die Europameisterschaft in Deutschland statt und die Verantwortlichen würden sich bestimmt sehr genau überlegen, wie sie sich politisch und sportpolitisch aufstellen.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion