Ein US-Bundesgericht wirft sowohl früheren Fifa-Funktionären als auch Russland und Katar korruptes Verhalten bei den Vergaben für die Fußball-WM 2018 und 2022 vor. Vermutungen von Experten sind so erstmals durch eine Behörde bestätigt. Die Beschuldigten weisen das von sich.

Die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 an Russland und 2022 an Katar seien unter Bestechung abgelaufen, schreibt ein US-Bundesgericht aus New York in seiner Anklageschrift vom 18. März 2020. Auf rund 70 Seiten stellen die Ankläger in insgesamt 53 Fällen den Vorwurf der Korruption, Geldwäsche und Verschleierung in den Raum.

Demnach stehen nach bisherigem Ermittlungsstand drei ehemalige Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieder im Mittelpunkt der Anklage, die bei der Vergabe um die WM in Katar 2022 Geld für ihre Zustimmung erhalten haben sollen, so die Ermittler. Zwei der ehemaligen Fifa-Mitglieder sind allerdings mittlerweile verstorben und könnten somit nicht mehr geahndet werden.

Katar und Russland: Beschuldigungen stimmen nicht

Das Organisationskomitee der Fußball-WM 2022 in Katar, das Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC), bestreitet die Anschuldigungen auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur (DPA) deutlich. Laut SC lief der Bieterprozess nach allen Regeln und Vorschriften ab, meldet die Agentur.

Eine ähnliche Reaktion kommt auch von russischer Seite: Kremlsprecher Dmitrij Peskow lehnte die Anklagepunkte der US-Behörde kategorisch zurück, wonach Russland fünf Millionen Dollar an den ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner gezahlt haben soll, um sich seine Stimme für die Vergabe der Fußball-WM 2018 in Russland zu sichern, berichtet der Sport-Informations-Dienst (SID).

"Nach dem Stand der Ermittlungen sind die WM-Vergaben gekauft."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Die Fifa wiederum wolle mit den US-Behörden kooperieren und "alle Untersuchungen von kriminellen Fehlverhalten" unterstützen, schreibt SID. Allerdings hätte laut Fifa eine interne Untersuchung keine Hinweise auf einen Stimmenkauf ergeben.

Anklageschrift bestätigt Vermutungen

Mit den Statements der beschuldigten Parteien war zu rechnen, sagt Deutschlandfunk-Sportredakteur Matthias Friebe. Trotzdem sei die Anklageschrift die erste offizielle Vorwurfsschrift, die beweisen will, dass beide Weltmeisterschaften gekauft worden seien. Sie bestätigt damit das, was Experten schon länger vermutet haben, fügt er hinzu. Jetzt brauche es weitere Ermittlungen und gegebenenfalls einen Prozess, um zu zeigen, was an den Vorwürfen wirklich dran sei.

"Wir haben zum ersten Mal schwarz auf weiß stehen, was wir schon lange vermutet haben und was Experten schon seit Jahre sagen."
Matthias Friebe, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Er betont: Aufgrund des frühen Ermittlungsstandes handele es sich bei der Anklageschrift vielmehr um ein Vorwurfsdokument. In den USA komme es oft vor, eine Anklageschrift zu verfassen, ohne die Beschuldigten vorher angehört zu haben.

Es bleibt daher spannend. Gerade auch, weil die WM in Katar noch bevorsteht. Sollten sich die Vorwürfe der New Yorker Staatsanwaltschaft tatsächlich bewahrheiten, könnte das große Verluste für die Fifa bedeuten. "Welche Sponsoren oder Fernsehsender möchten ein korruptes Turnier denn unterstützen?", gibt Matthias Friebe zu bedenken.