Bei dem Essener Fußballverein TC Freisenbruch dürfen die Fans entscheiden, wer auf dem Platz steht. Denn seit der letzten Saison können Fans sich als Onlinemanager anmelden und Entscheidungen treffen. 

Einer von ihnen ist Archi Fellenberg. Zwei Tage vor dem Nachholspiel gegen den Tabellenersten der Kreisliga A macht er die Spielaufstellung. Er ist bei jedem Spiel des TC Freisenbruch dabei, manchmal guckt er auch beim Training zu. Am Rechner kann er mitbestimmen, welche Spieler auf den Platz kommen. Vor ihm ist ein virtuelles Fußballfeld mit elf blinkenden Punkten. Da kann er jetzt die Spieler reinsetzen. Oder er nimmt sich eine bereits existierende Aufstellung anderer Trainer. 

"Ich kann meine letzte Spielaufstellung nehmen oder auch Aufstellungen von anderen Trainern."
Archi Fellenberg, Onlinemanager beim TC Freisenbruch

Gemeint sind damit andere Trainer aus der Community. Und auch der tatsächliche Trainer des Clubs gibt vor jedem Spiel eine Empfehlung ab. Doch die Startelf kommt allein aus der Online-Community. Der Spieler für eine Position, der die meisten Stimmen dafür erhält, darf spielen. 

TC Freisenbruch Spieleraufstellung

Die Spieler selbst und auch Trainer Peter Schäfer sind damit ganz zufrieden. Und das, obwohl der Trainer weniger entscheiden darf als üblich. Erst ab der zweiten Halbzeit darf er bestimmen, wer auf das Spielfeld kommt. Vorher dürfen alle mitreden.

Basisdemokratie im Fußballclub

Zum Konzept der Basisdemokratie beim TC Freisenbruch gehört auch, dass die Community den Trainer rauskicken kann. Die darf nämlich auch über Vertragsverlängerungen abstimmen. Dass die Fans ihn als Trainer entlassen können, findet Peter Schäfer aber gar nicht so komisch. Bei den Profis sei das ja im Prinzip auch nicht anders: Gegen den Willen der Fans, ist ein Trainer kaum zu halten.

Trainer-Bewertungstool für die Onlinemanager
Trainer-Bewertungstool für die Onlinemanager des TC Freisenbruch
"Wenn die Fans im Stadion pfeifen, dann hat der Vorstand auch eigentlich schon kaum noch 'ne Wahl, wenn der Trainer da für die Misere verantwortlich gemacht wird."
Peter Schäfer über Trainerentlassungen

Eine Idee für die Bundesliga?

Der TC Freisenbruch ist mithilfe des Projekts immerhin in nur einer Saison aufgestiegen – genau nach Plan. Der Drittligist Fortuna Köln, damals noch in der Regionalliga, hat sich auch schon mal an so einem Projekt versucht. Viele Fans waren aber unzufrieden. Die Kritik: sie dürften nur über Unwichtiges abstimmen. Das Projekt ist gescheitert. Beim TC Freisenbruch ist das anders. Hier wird über fast alles abgestimmt: Spielaufstellungen, Vertragsverlängerungen, die Preise für die Stadionwurst, Werbeartikel und die Finanzen. Nach Meinung des Trainers Peter Schäfer könnte so ein Projekt auch in der Bundesliga funktionieren - schon allein weil es für die Fans interessanter wäre.

Trainer Peter Schäfer, TC Freisenbruch
Einer der Trainer des TC Freisenbruch Peter Schäfer
"Fängt ja schon damit an, dass es interessanter wäre."
Peter Schäfer

Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass  erfolgreiche Clubs wie der BVB, Schalke oder Bayern München das Ganze in naher Zukunft umsetzen. Aber auch Abstiegskandidaten wie der 1.FC Köln und der HSV wollen sich nicht so richtig dazu äußern. Beim Kölner Verein hat Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt angefragt und erhielt als Antwort eine Absage: 

"...das Wort 'Profi'-Fußball an sich müsste schon zeigen, dass die Idee, interessierten Laien die Entscheidungen zu überlassen, keine Erfolg versprechende ist.“
Aus der Mail des 1. FC Köln

Zurück zum TC Freisenbruch. Der spielt in der Kreisliga A im Heimspiel gegen den Tabellenersten aus dem Essener Süden, den Heisinger SV. Die Startelf unterscheidet sich sehr von der, die Onlinemanager Archi am Rechner eingetragen hat. 

"Da sind jetzt welche drin, die nachgerutscht sind, die ich nicht gesetzt hätte, auch nicht zum Nachrücken."
Archi zur Startelf

Nach nur 13 Minuten fällt das erste Tor für den Gegner. Am Ende steht es eins zu vier. Archi nimmt die Niederlage gelassen. Vielleicht auch, weil es im Prinzip um nichts mehr geht. Der TC Freisenbruch beendet die Saison im oberen Drittel der Kreisliga A. Und das nur ein Jahr nach dem Aufstieg.

Mehr zum Thema: