Wenn Tiere Hunger haben, ist ihnen oft nichts heilig. Der Trauerdrongo klaut gerne auch mal das Futter von anderen Tieren - mit einem Täuschungsmanöver: Er löst falschen Alarm aus, indem er gezielt die Alarmschreie anderer Tiere imitiert, um sie in Angst und Schrecken zu versetzen.

Trauerdrongos gehören zu den Sperlingsvögeln, wie auch unser heimischer Spatz. Allerdings ist er mit 25 Zentimetern deutlich größer und ähnelt mit seinem schwarzen Gefieder eher einer Amsel. Beheimatet sind die Vögel ausschließlich südlich der Sahara. In den Savannen und lichten Wäldern im mittleren und südlichen Afrika ist der Drongo ziemlich weit verbreitet.

Mit falschen Alarmrufen erbeuten Trauerdrongos Futter

Trauerdrongos sind sehr mutige, mitunter auch sehr aggressive Vögel. Wenn sie sich und ihre Nester in Gefahr sehen, greifen sie sogar Greifvögel an. Der Drongo ist aber auch ein sehr gewitztes Federvieh. Mit falschen Alarmschreien täuscht der Vogel andere Tiere so sehr, dass sie in 50 Prozent der Fälle ihre Nahrung fallen lassen und lieber die Flucht ergreifen. Die Drongos müssen die Nahrung dann nur noch aufsammeln. Dieses Verhalten wird in der Biologie als Kleptoparasitismus bezeichnet. Der Trick der Trauerdrongos funktioniert bei zwei sehr unterschiedlichen Tierarten: bei Elsterdrosslingen - kleinen, etwa starengroßen Vögeln, die in Kolonien von etwa zehn Individuen leben - und bei Erdmännchen.

Trauerdrongos imitieren Vogelstimmen nahezu perfekt

Der Trauerdrongo ist, ähnlich wie der Papagei, ein sehr guter Stimmenimitator und verfügt über eine ganze Palette von Alarmrufen der unterschiedlichsten Vögel. Wenn die Drongos auf Futterklau gehen, suchen sie zunächst die Nähe ihrer Zielgruppe - entweder eine Erdmännchenkolonie oder eine Gruppe von Elsterdrosslingen - und beobachten diese genau. Haben die Opfer dann reichlich zu fressen, stoßen die Drongos zunächst den eigenen Alarmruf aus, imitieren aber auch die Alarmrufe von Glanzstaren, Kronenkiebitzen und Elsterdrosslingen um den Opfern das Futter zu klauen.

Das hat einen guten Grund: Tiere auf Nahrungssuche formen oft "Beobachtungsallianzen", um die eigene Sicherheit zu erhöhen. Sie hören dabei auf die Warnrufe anderer Tierarten, erkennen diese und reagieren darauf. Pfeift beispielsweise ein Glanzstar zum Alarm, dann bringen sich auch Erdmännchen, Kronenkiebitze und Elsterdrosslinge in Sicherheit - und umgekehrt. Die Drongos imitieren die Stimmen so täuschend echt, dass sogar Ornithologen nicht den Unterschied zwischen Original und Fälschung erkennen können.

Funktioniert der Trick nicht, weiß der Drongo sich zu helfen

Forscher konnten bei Elsterdrosslingen ab und an einen Gewöhnungseffekt beobachten. Die Vögel ignorierten dann den falschen "eigenen" Alarmruf des Drongos und blieben bei ihrem Futter. Kein Problem für den Drongo, der prompt auf die neue Situation reagierte und die Alarmrufe des Glanzstars imitierte. Die Elsterdrosslinge flüchteten und ließen ihre Nahrung zurück.

Der Vogel kann auch ehrlich futtern

Nur etwa ein Viertel seines Kalorienbedarfs deckt der Trauerdrongo durch Kleptoparasitismus ab. Den Rest seiner Nahrung, hauptsächlich Insekten, fängt er in der Luft oder am Boden. Auch kleine Fische, die er an der Wasseroberfläche erbeutet, stehen auf dem Speiseplan. Doch der Drongo hat noch einen weiteren Trick auf Lager, um an Beute zu kommen: Er verfolgt gezielt große und schwere Säugetiere, wie zum Beispiel Elefanten, Nashörner oder Giraffen. Diese scheuchen bei ihrem Gang durch das hohe Gras der Savanne jede Menge Insekten auf, die der Vogel dann ganz bequem erbeuten kann. Darum findet man Trauerdrongos oft auch in der Nähe von Säugetierherden.

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