Twitter hat dieses Jahr in den USA viele bekannte Nutzer gesperrt, weil sie wiederholt gegen User mit einer anderen Meinung, einem anderen Glauben oder einem anderen Geschlecht gehetzt hatten. Diese Twitter-Ausgestoßenen sollen sich jetzt auf einem anderen sozialen Netzwerk rumtreiben. Und zwar bei Gab.ai.

Die New York Times schreibt: "Stell dir Gab als das 'Make America Great Again' der Sozialen Netzwerke vor." Ein Rückfall in die alten wilden Tage des Internets - bevor Twitter und Reddit in ihren dunklen Ecken Hausputz machten und Pöbler, Hetzer und Nazis rauswarfen. Die Nutzeroberfläche erinnert an eine Mischung aus Twitter und Reddit - Posts dürfen bis zu 300 Zeichen lang sein, also mehr als das doppelte als bei Twitter. Aber das wichtigste Feature von Gab sind die Nutzungsrichtlinien: Die gibt es so gut wie gar nicht. Illegale Aktivitäten wie Kinderpornografie, Gewaltandrohungen und Terrorismus sind zwar auch bei Gab verboten, aber alles andere eben nicht.

"Andrew Torba ist ein christlicher Ex-Silicon-Valley-Gründer, dem die ganze Atmosphäre in Kalifornien zu liberal und progressiv geworden ist."
Martina Schulte, DRadio Wissen

Gründer von Gab ist der 25-jährige Entwickler Andrew Torba, dem die Erschaffung dieses libertären Netzreservats ein persönliches Anliegen ist. Er ist ein christlicher Ex-Silicon-Valley-Gründer, dem die ganze Atmosphäre dort zu liberal und zu progressiv wurde. Er sagt, er habe sich in Kalifornien immer seltener getraut, seine rechtskonservative Meinung zu äußern. Deswegen zog er nach Texas, um dort an einer Alternative zu den seiner Ansicht nach zensierten großen Social Networks wie Facebook, Twitter oder Reddit zu arbeiten.

Seit der Gründung von Gab.ai im August haben sich dort nach und nach viele prominente amerikanische Twitter-Ausgestoßene der rechten Szene eingefunden. Für sie ist Gab so eine Art sicherer Digital-Hafen, wo sich Ultrarechte, weiße Nationalisten, Verschwörungstheoretiker und Minivan-Majority-Moms ohne lästige Störung austauschen können, wie die New York Times schreibt. Milo Yiannopoulos, der erzreaktionäre Breitbart-Tech-Redakteur und professioneller Troll und Provokateur, ist auch dabei.

Online-Refugium der Ultrarechten

Gut möglich, dass sich Gab zum Online-Refugium der Ultrarechten entwickelt. Und die Frage ist jetzt, ob sich die Isolation dieser Gruppen in derartigen Netzreservaten vergrößern und ultrarechte Wertvorstellungen weiter normalisieren werden. Die New York Times schreibt, Gab sei der nächste logische Schritt nach den Aufräum- und Filteraktionen bei Twitter. Die großen Sozialen Netzwerke hätten die amerikanische Öffentlichkeit in zwei separate Realitäten gespalten. Wo es bei Facebook oder Twitter zwei separate Filterblasen gegeben hätte, die nichts miteinander zu tun haben wollen, gebe es jetzt dank Gab eine Mauer.