Am 3. November 1618 wird ein Komet am Himmel gesichtet, den die Menschen in den Jahren darauf als Auslöser des Dreißigjährigen Kriegs sehen. Ein Hörsaal des Historikers Andreas Bährüber menschliche Sinnstiftung und über das Verhältnis von Himmelszeichen und Weltgeschehen. 

"Den 3. November 1618 ist ein schrecklicher Komet am Himmel erschienen, der etzliche Monath und gar bis in das folgende Jahr gesehen war."

Das schreibt der gräfliche Hofrat Volkmar Happe in seine thüringische Chronik. Ihm ist klar, dass auf diese Sichtung hin "in aller Welt Krieg, Aufruhr, Blutvergießen, Pestilentz und unaussprechlich Unglück erfolget".

Wie lange dauert der Dreißigjährige Krieg?

Beliebter Schulhof-Scherz: Wie lange dauerte der Dreißigjährige Krieg? Haha. Logisch. 30 Jahre. Haben Historiker retrospektiv gesagt und als Beginn den Fenstersturz zu Prag im Mai 1618 ausgemacht und als Ende die 1648 die in Münster und Osnabrück geschlossenen Verträge bezeichnet, die als Westfälischer Frieden zusammengefasst werden. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

"Mit diesem Kometen hatte Gott Krieg, Hunger und Pest angekündigt, die als Strafe kamen für die Sünden der Menschen, im Vorgriff auf die Apokalypse."
Andreas Bähr, Historiker

Der Winterkomet von 1618 heißt heute C/1618 W1

Vielen Zeitzeugen des Dreißigjährigen Krieges aber war klar: Der Krieg war eine direkte Folge des sogenannten Winterkomets, der im Winter vor 400 Jahren für einige Zeit mit bloßem Auge zu sehen war.

Heute heißt dieser Komet nüchtern C/1618 W1. Aber damals war er vielen nichts weniger als ein göttliches Zeichen mit schlimmen Folgen. Durchaus gebildete Zeitgenossen sahen den Schweifstern als Ankündigung für das blutige Geschehen in Europa. Einige richteten gar ihre Lebensplanung an diesem Himmelszeichen aus.

"Astronomen stritten mit Theologen und orthodoxe Lutheraner mit sogenannten Schwärmern und falschen Propheten: War der Komet nichts weiter als ein faszinierendes Naturereignis? Oder war er Vorzeichen für 30 Jahre Krieg?"
Andreas Bähr, Historiker

Andreas Bähr hat 2017 ein Buch mit dem Titel "Der grausame Komet. Himmelszeichen und Weltgeschehen im Dreißigjährigen Krieg" veröffentlicht. Darin erzählt er – wie in unserem Vortrag – von Männern, die den Kometen gesehen und gedeutet haben. Sogar die Dauer des Krieges soll der Winterkomet angekündigt haben.

"30 Tage habe der Besen aus Feuerfunken am Himmel gestanden, notiert der Bürgermeister, und so habe der Krieg dann auch 30 Jahre gewähret."
Andreas Bähr, Historiker

Andreas Bähr ist Professor für Europäische Kulturgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seinen Vortrag mit dem Titel "Der grausame Komet. Himmelszeichen und Weltgeschehen im Dreißigjährigen Krieg" hat er 400 Jahre nach der Sichtung des todbringenden Winterkometen gehalten, am 6. November 2018 im Einstein Forum Potsdam.