Verräter jagen und einfach nur springen, rennen und fallen. Mit "Fall Guys" und "Among Us" feiern altbekannte Spielprinzipien gerade ziemlich große Erfolge. Zurecht, findet Games-Expertin Jana Reinhardt.

"Fall Guys Ultimate Knockout" und der Indie-Titel "Among Us": Diese zwei Überraschungshits stürmen gerade die Gamecharts. Beide sind für mehrere Spielende, funktionieren durch Streaming und sind damit groß geworden.

"Fall Guys" erinnert an die alte TV-Show "Takeshi's Castle". 60 Spielerinnen und Spieler werden losgeschickt, um sich durch gut 20 Level den Sieg zu erkämpfen: bunte Grafik, lustige Figuren, die sich individualisieren lassen. Besondere Mühe haben sich die Designer bei den physikalischen Modellen der Figuren gegeben.

Im August ist "Fall Guys Ultimate Knockout" erschienen und hat im ersten Monat weit über 8,2 Millionen PC-Einheiten verkauft. Das entspricht laut Branchendienst SuperData Einnahmen von 185 Millionen US-Dollar.

"Auf der Playstation haben noch nie so viele Menschen auf einmal ein Game im Abo-Service PS Plus heruntergeladen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Die Entwickler Mediatonic aus Großbritannien sind von der Größe des Erfolgs überrascht. Sie wundern sich, dass zu einem Konzept wie Takeshi's Castle noch kein Spiel gemacht wurde, sagt Joe Walsh vom Entwicklerteam:

"'Fall Guys' and 'Takeshi’s Castle' is competitive, but at its core we just wanted to bring something to multiplayer gaming, trying to take that spirit of enthusiasm and participations and comedy and making a game that was focused around that primarily rather than being super competitive."

"Ich mag 'Fall Guys' gerade sehr, wann kannst du dich im Jahr 2020 schon wie bei einem Konzert mit 60 Leuten gleichzeitig ins Vergnügen stürzen?"
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Die Entwickler sind bei "Fall Guys Ultimate Knockout" fokussiert vorgegangen, sagt Joe Walsh. Die Vorgabe: Die Level müssen in drei Worten erklärbar sein.

Game "Among Us"

Der Titel "Among Us" hat sogar politische Prominenz angezogen. Seit die amerikanische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez mit dem Game ihren ersten Stream auf Twitch absolviert hat, schauen nochmal mehr Menschen auf die Plattform und das Spiel.

Die Demokratin hat direkt 420.000 Zuschauer erreicht und über fünf Millionen Menschen haben in ihren dreieinhalbstündigen Clip reingeschaut, in dem sie natürlich auch zum Wählen aufruft.

Jana vergleicht "Among Us" mit Mafia und dem Kartenspiel "Werwolf". Darin gibt es die Bewohner und die Werwölfe, die die Bewohner fressen wollen. In einer Spielphase müssen die Werwölfe möglichst unentdeckt Mitspieler wählen zum Fressen, in der anderen Phase müssen die Mitspieler rausbekommen, wer die Werwölfe sind. "Among Us" ist die digitale Version davon. Hier sehen alle Mitspielenden aus wie Astronauten.

"Du bist auf einem Raumschiff und einer aus der Crew ist ein bösartiges Alien, der sogenannte Imposter, der versucht alle umzubringen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Komisches, verdächtiges Verhalten kann den Imposter verraten. Zunächst war Jana nicht so begeistert: "Ich dachte ich erstmal: irgendwie chaotisch, unspannend und ein bisschen hässlich. Was muss ich eigentlich machen und wie verdammt groß ist eigentlich die Station?"

Im Ergebnis findet sie "Among Us" aber nun doch spannend. Durch mittelgroße Streamer wie Salt Raiders Kaif ist das Spiel langsam gewachsen, bis große Streamer wie Sodapoppin mit 2,8 Millionen Followern es entdeckt und Freunde eingeladen haben.

"Danach musste sich der Entwickler erstmal wieder um das Spiel kümmern, weil plötzlich 1.000 Spieler auf die Server wollten."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Mit dem Errfolg kommen auch die Probleme: Die Entwickler von "Among Us" müssen sich gerade mit Hacker auseinandersetzen und sich Gedanken machen, wie sie toxische Kommentare in ihrem Votingsystem unterbinden.