Die deutsche Computerspielbranche hat ein Problem: In Deutschland und international spielt sie kaum eine Rolle. Und anders als die Filmbranche bekommt sie wenig Fördergelder. Es ist Zeit, das zu ändern - findet jedenfalls die Gamesbranche.

Bei Riad Djemeli und Johannes Kristmann hat es wunderbar funktioniert. Sie hatten die Idee für ein Computerspiel: "The Curious Expedition" ist eine Entdeckersimulation, wie ein Jules-Verne-Roman zum Mitspielen. Für diese Idee haben sie vom Medienboard Berlin-Brandenburg 50.000 Euro an Fördergeldern bekommen. 

Großer Erfolg mit staatlicher Unterstützung

Sie haben ihre Firma gegründet und nach einiger Zeit ihr Spiel veröffentlicht. Ein voller Erfolg: Bis heute haben sie es etwa 60.000 Mal verkauft und 700.000 Euro eingenommen. Das Fördergeld haben sie längst zurückgezahlt und arbeiten am nächsten Spiel. Wieder mit staatlicher Unterstützung.

"Für uns ist die Förderung essenziell. Sie hat sehr viel dazu beigetragen, dass wir diesen Schritt gewagt haben, aus der sicheren Festanstellung eine eigene Firma aufzubauen."

Trotz ihres Erfolges hält Riad Djemeli die Förderung für zu gering: "Ich glaube, um den Spielestandort Deutschland voran zu bringen, wäre es ein wichtiger Schritt, diese Förderung anzuheben." Damit auch Spiele entstehen können, die international mithalten können. Denn Deutschland spielt auf dem Gamesmarkt keine große Rolle.

2,9 Milliarden Euro: So fett wie die Kinoindustrie

Voriges Jahr hat die Spieleindustrie in Deutschland Umsätze in Höhe von 2,9 Milliarden Euro gemacht, fast so viel wie die Filmbranche. Aber: Der Marktanteil von Spielen aus Deutschland liegt dabei nur bei 5 bis 6 Prozent. International ist der Anteil noch viel geringer. Darum fordert auch der Branchenverband Game mehr Förderung. Genauer gesagt: 100 Millionen Euro jährlich für die Spieleentwicklung.

Polen fördert mehr

Andere Länder sind da schon weiter: Polen zum Beispiel steckt 20 Millionen Euro in die Gamesbranche und hatte zuletzt den Blockbuster "The Witcher 3" unterstützt. Deutschland fördert Computerspiele mit dem Deutschen Computerspielpreis und über die Förderanstalten einiger Bundesländer mit circa drei bis vier Millionen Euro im Jahr.

"Das Computerspiel kann man mit dem Medium Buch oder Film gleichwertig ansehen. Als Kulturgut ist uns das schon gelungen. Was die Fördersummen betrifft, ist das noch stark ausbaufähig."
Dorothee Bär, CSU

Soll es eine höhere Förderung geben, ist vor allem die Politik gefragt. Und auch wenn die Summen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, Computerspiele seien nichts, womit sich ihre Politiker-Kollegen gerne brüsten würden, sagt Dorothee Bär, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand stolz sagen würde: 'Ich habe noch nie ein Buch gelesen'." Aber zu sagen "Ich habe noch nie ein Spiel gespielt", fänden einige immer noch schick.

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