Es gibt Menschen, die spielen die großen Blockbuster wie Fifa oder Fortnight – es gibt aber auch die Liebhaber von Indiegames. Ein riesengroßer Markt, auf den jeden Tag so viele neue Spiele geworfen werden, dass sie kein Mensch durchspielen kann. Thomas Ruscher hat sich auf der Gamescom für Deutschlandfunk Nova auf diesem Segment umgeschaut und auch gefragt, wie Entwickler davon leben können.

Thomas Ruscher ist für Deutschlandfunk Nova auf der Gamescom 2019 unterwegs. Klar hat er sich angeschaut, was die großen Blockbuster so machen. Ihn interessieren seit jeher aber auch die Indiegames. Der Markt ist riesig, sagt Thomas, jeden Tag kommen rund ein Dutzend neue Spiele dazu – das könne keiner mehr durchspielen, geschweige denn sich leisten.

Selbst prämierte Indiespiele floppen

Und gerade, weil der Markt so groß ist, floppen natürlich auch viele Spiele. Tristan Berger vom Indiegameentwickler Backwoods Entertainment sagt, der Markt ist hart und übersättigt.

"Jeder kann heutzutage relativ einfach Spiele machen, und dementsprechend gibt es auch diesen gigantischen Output an Spielen. Sich aus der Masse hervorzuheben, ist schwierig."
Tristan Berger, Backwoods Entertainment

Tristan Berger weiß, wie schwer Erfolg in seiner Branche ist. Das erste Spiel von Backwoods Entertainment "Unforseen Incidents" hat den Deutschen Computerspielpreis gewonnen, Kritiker waren begeistert, aber so richtig gut verkauft hat sich das Adventure-Game nicht.

Neuer Trend: Erzählspiele

Jetzt arbeiten sie an dem nächsten: "Resort". Hier sollen sich die Spielenden, nachdem sie mit dem Game durch sind, so fühlen, als hätten sie einen Kinofilm gesehen, sagt Tristan Berger.

"Wir wollen etwas erschaffen, das sich anfühlt wie ein Film, wenn man das durchgespielt hat, dass man das Gefühl hat, man kommt gerade aus dem Kino raus."
Tristan Berger, Backwoods Entertainment

Solche Erzählspiele sind angesagt, sagt Thomas Ruscher. Indiegames wie "Life is Strange" oder "Firewatch" sind super erfolgreich mit Hunderttausenden von verkauften Exemplaren. Aber ob "Resort" auch so durchstarten kann, sei eine ziemliche Glückssache, sagt Tristan Berger.

Indiegames bekommen mehr Raum

Auch, wenn der Markt der Indiegames kompliziert ist – die kleinen, unabhängigen Spieleentwickler haben auf der Gamescom 2019 so viel Platz wie nie. Wo es im vergangenen Jahr nur einen Stand gab, gibt es in diesem Jahr einen ganzen Bereich, erklärt Thomas Ruscher.

"Indiegames sind das große Ding auf der Gamescom 2019."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova

Auf der diesjährigen Gamescom zeigen hunderte Spieleentwickler rund 130 Indiegames.

Games von Idealisten vermarkten sich gut

Einer der wichtigsten Köpfe der Indiegames-Szene ist Graham Struthers von Devolver Digital, der seit zehn Jahren nach interessanten Indiegames sucht, um sie dann weltweit zu veröffentlichen. Von ihm will man natürlich gesehen werden. Und aus seiner Perspektive ist es ein Traumjob.

"Aus unserer Sicht war es in den letzten zehn Jahren die einfachste Zeit in der Branche, Videospiele zu veröffentlichen."
Graham Struthers, Devolver Digital

Graeme Suthers scheint ein gutes Händchen für gute Indiegames zu haben. Zumindest sind sie meist sehr erfolgreich. Aus seiner Sicht liegt es daran, dass die Macher der Games, die sie vermarkten, Idealisten sind – Menschen, die Neues ausprobieren wollen und denen es primär um die Sache geht und nicht darum, viel Geld zu verdienen.

Der schnelle, große Reichtum bleibt meist aus

Das Herzstück des Indiegamebereichs der Gamescom ist die "Indie Arena Booth". Valentina Birke ist die Projektmanagerin und vermutlich kennt niemand auf der Gamescom so viele Indiegame-Entwickler wie sie. Sie warnt den Nachwuchs vor zu viel Naivität, denn viele glaubten, wenn sie beispielsweise während des Studiums ein Spiel entwickeln, dass sie nach zwei Jahren dann "voll reich" seien.

"Indiegames – das ist ein Kampf ums Überleben."
Valentina Birke, Projektmanagerin der Indie Arena Booth