Wenn Spieler gegen Geld Erweiterungen und Fortsetzungen von Spielen kaufen können, dann spricht man von "Games as a Service". Das ist ein großes Thema auf der Spielemesse Gamescom - und manchmal komplett überflüssig.

Früher lief es so: Ab in den Laden, Spiel kaufen auf CD oder DVD, 70 Euro bezahlen, zu Hause durchspielen, fertig. Heute läuft das (manchmal) etwas anders.

Große Spieleentwicklerfirmen wollen ihre Kunden lange an sich binden. Die Kunden sollen ein Spiel über einen langen Zeitraum spielen und nicht nur ein einziges Mal, sondern immer wieder Geld ausgeben. "Games as a Service" nennt sich das Ganze.

"Dadurch, dass es immer wieder neue Spielelemente gibt, bleiben die Spieler bei der Stange."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova

Bei diesem Prinzip werden Spiele immer weiter entwickelt. Zum Beispiel werden neue Aufgaben nachgeliefert, es werden neue Abschnitte in der Welt geöffnet, oder es gibt neue Helden oder Ausrüstungsgegenstände, mit denen der Spieler das Game neu und anders erleben kann.

Vor allem die großen Blockbuster-Titel eignen sich, "Games as a Service" zu werden. Sie erregen auf der Spielemesse Gamescom (22. bis 26. August) auch die größte Aufmerksamkeit - und sind so ausgelegt, dass sie über Wochen, Monate und Jahre gespielt werden können:

  • In "Assassins Creed" kann der Spieler Ägypten erkunden
  • "Far Cry 5", ein Actionspiel, in dem sich der Spieler mit fanatischen Christen in den USA anlegt
  • Electronic Arts arbeitet am Spiel "Anthem" und verfolgt einen Plan für die nächsten zehn Jahre

Der Nutzen von "Games as a Service" für die Spieleentwickler liegt auf der Hand: Die Spieler bleiben dran und kaufen sich immer wieder Erweiterung und Bonus-Aufgaben. Für den Spieler kann das auch reizvoll sein - zumindest, wenn er das Spiel generell mag. Es dauert dann einfach länger.

Aber: Es gibt auch Spiele, die ihren Spielern Bonusmaterial und Weiterentwicklungen bieten, die kostenlos sind. So wird eine Community aufgebaut, und die Spieler bleiben in der länger als bei einem einfachen Spiel mit definiertem Anfang und Ende.

Extra zur Gamescom Bonusmaterial entwickelt

Doch manchmal scheint es dann zu sehr ums Geldverdienen zu gehen. Zu "Games as a Service" gehören zum Beispiel nämlich auch sogenannte Lootboxen, die Belohnungen für gute Spieler bereithalten.

Die werden aber auch immer öfter verkauft, was eben eine Art Service ist. Das Multiplayer-Spiel "Player Unknowns Battleground" zum Beispiel hat extra zur Gamescom Zusatzinhalte ins Spiel integriert, an die der Spieler heran kommt, wenn er solche Lootboxen kauft.

"Rausgeschmissenes Geld"

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher hat das ausprobiert und 2,50 Euro ausgegeben. Seine Spielfigur hat dafür neue Sneaker bekommen - die nur optischen Zwecken dienten. Thomas sagt: "Das war für mich rausgeschmissenes Geld."

"Wenn das Spiel wirklich einen guten, weiterführenden Support bietet, würde ich sagen: Es gibt Modelle, wo das vertretbar oder echt ok ist. In vielen Fällen allerdings hat man das Gefühl, man möchte den Kaufpreis durch die Hintertür um mindestens das doppelte erhöhen."
André Peschke, Spieleodcast "The Pod"

Im neuen Herr-der-Ringe-Spiel "Mittelerde: Im Schatten des Krieges" geht es darum, Armeen aufzubauen und Burgen zu erobern. Wer sich (für echtes Geld) Lootboxen kauft, erwirbt damit quasi eine Art Cheat - denn mit denen wird es leichter, die Armee aufzubauen. "Du kaufst dir ein Computerspiel für 70 Euro - und dann gibst du extra Kohle aus, um das Spiel nicht spielen zu müssen", sagt Thomas Ruscher. "Dann wird es doch ziemlich absurd."