Die Gas-Pipeline Nordstream 1 ist wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Es stehen aber Befürchtungen im Raum, dass Russland sie nicht wieder anschaltet. Das würde für Deutschland einen Gas-Notstand bedeuten – und für uns alle einen sehr kalten Winter und steigende Preise. An vielen Stellen können wir aber sparen.

Die Sorgen vieler Deutscher über einen möglichen Gas-Notstand machen sich bemerkbar: Die Nachfrage nach elektrischen Heizgeräten wie Heizlüftern und Radiatoren ist in den vergangenen Wochen massiv angestiegen. Beim Onlinehändler Otto beispielsweise um 1.000 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Zwar sind noch alle Modelle erhältlich – doch die Lieferzeiten haben sich bereits verlängert.

Heizlüfter keine Lösung für Dauerbetrieb

Auch andere Händler berichten von einem Ansturm auf elektronische Heizgeräte und haben ihre Bestände erhöht. Doch sollte es tatsächlich kein oder nur wenig Gas geben, dann sind diese Geräte auch keine Lösung für den Dauerbetrieb, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Denn: Sie verbrauchen viel zu viel Strom.

"Wenn ich ein Stück Papier in das Fenster klemme und rausziehen kann, dann dichten sie nicht genügend ab. In diesem Fall sollte der Vermieter benachrichtigt werden, damit eventuell nachjustiert werden kann.
Rita Jünnemann, Verbraucherzentrale NRW

Es gibt bessere Wege, sich auf den Krisenfall vorzubereiten. Zu allererst: Checken, wie dicht die Fenster der Wohnung sind. Sind sie undicht, geht dadurch viel Wärme im Winter verloren. Rita Jünnemann von der Verbraucherzentrale NRW empfiehlt deshalb, mit einem Stück Papier die eigenen Fenster zu testen. Sollten sie undicht sein, sollten wir so schnell wie möglich unsere*n Vermieter*in darauf hinweisen, damit es noch die Chance gibt, die Fenster winterfest zu machen.

Generell gilt: Vieles, was im Sommer davor schützt, dass Hitze eindringt, hilft auch im Winter vor der Kälte. Neben dichten Fenstern beispielsweise also auch Rollläden.

Gastherme und Heizung richtig einstellen lassen

Um Gas zu sparen, sollten wir außerdem darauf achten, die Gastherme oder Heizung richtig einzustellen. Nur so können sie effizient laufen. Allerdings sind Gas-Etagenheizungen Eigentum der Vermieter*innen, weshalb wir uns nicht einfach selbst darum kümmern können, sagt unsere Reporterin.

Wem das aber zu lange dauert, dem rät Rita Jünnemann, der eigenen Vermieterin vorzuschlagen, sich um die Sache zu kümmern und einen Termin mit einer Wartungsfirma auszumachen.

"Am besten schon jetzt einen Termin mit der Wartungsfirma ausmachen und nicht erst im Herbst oder Winter, wenn das Gas schon weg sein sollte oder die Preise noch höher sind."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Was wir ohne vorherige Einwilligung des Vermieters allerdings selbstständig aufrüsten dürfen, sind die Thermostate der Heizung. Rita Jünnemann empfiehlt, automatische Thermostate einzurichten, die für die optimale Temperatur sorgen. Damit können wir genau festlegen, wann die Temperatur in welchem Raum abgesenkt wird, zum Beispiel nachts oder wenn wir nicht zuhause sind.

"Für einen Zwei-Personen-Haushalt wird der jährliche Gasverbrauch mit etwa 8.000 Kilowattstunden kalkuliert. Vor dem Krieg hat das ungefähr 40 Euro im Monat gekostet – jetzt sind es locker 140 bis 150 Euro."
Sebastian Moritz, Deutschlandfunk Nova

Noch ist nicht sicher, wie viel Gas im Herbst und Winter zur Verfügung stehen wird, doch fest steht: Es wird in jedem Fall teurer werden. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Moritz erklärt im Gespräch mit Rahel Klein, dass wir für Gas früher oder später alle tiefer in die Tasche greifen werden.

Bisher nur Neukund*innen betroffen

Bisher spüren nur diejenigen die gestiegenen Gaspreise, die in den vergangenen Monaten einen neuen Vertrag abschließen mussten. Die meisten mit einem laufenden Vertrag profitieren bisher noch davon, dass ihr Gasanbieter ihnen einen bestimmten Preis garantiert hat. Doch auch diese Verträge laufen irgendwann aus – und dann wird es für alle teurer.

"Erlässt das Wirtschaftsministerium eine Sonderregelung, könnte es sein, dass Gas auch für Bestandskund*innen doppelt oder sogar dreimal so teuer wird."
Sebastian Moritz, Deutschlandfunk Nova

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat bereits die zweite Stufe des "Notfallplan Gas" ausgerufen – das macht es wahrscheinlich, dass die Bundesregierung eine Sonderregelung ausrufen wird, die es den Gasanbietern erlaubt, die gestiegenen Einkaufspreise schon vor Auslaufen der bestehenden Verträge an ihre Kund*innen weiterzugeben.

Geld für Nachzahlungen zurücklegen

Das bedeutet konkret: Früher oder später werden alle von den erhöhten Preisen betroffen sein. Unser Reporter rät deshalb dazu, schon jetzt monatlich etwas für die Nachzahlungen zurückzulegen. Viele Gasanbieter bieten ihren Kund*innen deshalb an, bereits jetzt schon mehr zu zahlen – um die Nachzahlung gering zu halten. Auch viele Vermieter*innen haben bereits die Nebenkostenabrechnung für ihre Mieter*innen angeglichen.