Bei der Gay-Pride-Parade in Jerusalem gingen Tausende für die Rechte Homosexueller auf die Straße. Besonderes Aufregerthema war das neue Leihmutterschaftsgesetz, das Schwule diskriminiert.

Rund 35.000 Menschen waren nach Angaben der Veranstalter am Donnerstag (2.8.) in Jerusalem auf der Straße, um zu demonstrieren. Imri Kalmann war zwar nicht dabei, ist aber ansonsten aktiv in der israelischen LGBT-Szene. Der 32-jährige will eine neue Partei gründen, die sich für mehr Gleichberechtigung in der israelischen Gesellschaft einsetzt - nicht nur für Mitglieder der LGBT-Community. Ganz konkret kritisiert er die israelische Regierung. Es ärgert ihn, dass sie sich nach Außen gerne damit schmücke, dass Israel ein schwulen-freundliches Land sei - gleichzeitig aber Gesetze erlasse, die Schwule diskriminiere. So wie das neue Leihmutterschaftsgesetz, das es zwar ledigen Frauen erlaubt, die Dienste einer Leihmutter in Anspruch zu nehmen, nicht aber ledigen Männern.

"The government is passing laws that create a situation in Israel that we are getting less and less equal - even more than we used to be before."
Imri Kalmann, LGBT-Aktivist

Tatsächlich war das Leihmutterschaftsgesetz das politische Leitthema bei der diesjährigen Gay-Pride-Parade, sagt unser Korrespondent Kilian Neuwert. 

Die israelische Regierung hatte im Juli beschlossen, dass künftig nicht nur heterosexuelle Paare, sondern auch ledige Frauen mit Hilfe einer Leihmutter Kinder bekommen dürfen - nicht aber ledige Männer. Vergangene Woche gab es deswegen in Tel Aviv große Demonstrationen.

"Das Leihmutterschaftsgesetz treibt viele in der LGBT-Community auf die Palme, vor allem schwule Männer."
Kilian Neuwert, ARD-Korrespondent in Jerusalem
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Kritik auch am Nationalitätengesetz 

Imri Kalmann sagt, ihm gehe es nicht nur um die Rechte Homosexueller, sondern auch um die Rechte anderer in Israel lebender Minderheiten. Das von der Regierung ebenfalls im Juli beschlossene Nationalitätengesetz, das Israel als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes definiert, diskriminiere seiner Meinung nach zum Beispiel in Israel lebende muslimische Araber.

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Kilian Neuwert, der für uns bei der Parade dabei war, sah bei der Demonstration auch viele Familien und Heterosexuelle. Im Großen und Ganzen sei die Gay-Pride-Parade friedlich und farbenfroh gewesen - auch wenn sehr viele Polizisten im Einsatz waren, um die Menschen zu schützen. Denn es gab angekündigte Gegendemonstrationen, unter anderem von rechten jüdischen Gruppen und Ultraorthodoxen, denen die Veranstaltung ein "Dorn im Auge" sei, sagt unser Korrespondent.