Wer möchte, kann bei der Geburt eine PDA bekommen. Das ist eine lokale Betäubung, wodurch die Schmerzen weniger werden. Manche Frauen versuchen das zu vermeiden, weil sie befürchten, sich nicht mehr bewegen zu können. Das beruht aber auf alten Fakten.

Wenn es um die vaginale Geburt geht, geht es oft auch um eine Frage: PDA – mit oder ohne? PDA steht für Periduralanästhesie und ist eine Möglichkeit, die Schmerzen während der Geburt abzumildern.

Dabei bekommt die Schwangere über eine Nadel im Rücken ein Schmerz- und Betäubungsmittel in die Nähe des Rückenmarks. Es ist eine örtliche Betäubung. Für Ärzt*innen ist diese Methode bei Geburten Routine.

Michelle hatte für ihre Geburt einen Wunsch: Sie wollte möglichst auf eine PDA verzichten. Denn sie hat gehört, "dass die meisten, die eine PDA hatten, das Kind am Ende mit Saugglocke und sämtlichen anderen Möglichkeiten zur Welt bringen mussten, weil sie es selber nicht mehr spüren konnten", erzählt sie.

"Ich habe eine Traumvorstellung – ob die am Ende dann auch so passiert, weiß ich nicht – ich möchte mein Kind möglichst ohne PDA zur Welt bringen."
Michelle, vor der Geburt ihrer Tochter

Damit ist Michelle nicht alleine. Auch manche Hebammen sehen die PDA kritisch, weil diese unter anderem wie eine Bremse bei der Geburt wirke und sie verlangsame. Stimmt das? Die Antwort fällt anders aus, je nachdem, ob man auf ältere oder neuere Studien schaut.

Nicht mehr wie früher

Tanja Groten hat 30 Jahre Erfahrung in der Geburtsmedizin und erinnert sich an den Anfang ihrer Ausbildung. "Da war es schon so, dass die Patientinnen mit der PDA nicht mehr mobil sind. Das ist auch das, wovor alle Angst haben: dass jemand im Bett liegt und sich nicht mehr bewegen kann. Seitdem hat sich aber sehr viel verändert", sagt die Direktorin der Klinik für Geburtsmedizin an der Uniklinik Köln.

"Dass man die Frauen alleine lässt, wenn sie Schmerzen haben, weil man ihnen einredet, die PDA ist schlecht – wie sehr man damit jemanden traumatisieren kann, darüber spricht keiner."
Tanja Groten, Direktorin der Klinik für Geburtsmedizin, Uniklinik Köln

Was sich verändert hat, ist die Dosis. Früher waren die PDAs sehr viel höher dosiert. Die Schmerzen waren dadurch weg, aber auch die Kontrolle über die Beine und Bauchmuskeln zum Pressen. Die Geburt war dann liegend. Es gab mehr Geburten mit Saugglocke und sie haben auch länger gedauert, erklärt Jorge Jimenez Cruz. Er ist Oberarzt und stellvertretender Leiter der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Uniklinik Bonn.

Was PDA heute bedeutet

Jorge Jimenez Cruz forscht zur Schmerzbehandlung bei der Geburt. Er kennt die Studien zur neueren PDA, die niedrig dosiert ist. Und die zeigen: Damit können sich die Frauen deutlich besser bewegen, oft auch durch die Gegend laufen. Der Unterschied ist groß.

Bei der Dauer der zweiten Phase der Geburt, also der Austritts- oder Austreibungsphase in der die Frauen aktiv an der Geburt mitarbeiten können, kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Laut einer Meta-Analyse hat die Phase, in der das Kind zur Welt kommt, mit PDA im Schnitt 1 Stunde und 15 Minuten gedauert. Ohne PDA war es durchschnittlich eine Stunde. In einer anderen Studie gab es keinen Unterschied.

Die Nebenwirkungen für die Frau sind überschaubar, bleibende Schäden sind extrem selten. Beim Kind kommt vom Schmerzmittel so gut wie nichts an.

Michelle hat ihre Tochter mittlerweile zur Welt gebracht. Sie hat ohne PDA entbunden. Sie war aber offen dafür. "Hätte ich das Gefühl gehabt, dass ich mit den Schmerzen nicht umgehen kann, wäre ich auch offen für eine PDA gewesen", sagt sie.

Shownotes
Schmerzen bei der Geburt
Warum die PDA für viele ein Thema ist
vom 21. August 2026
Moderatorin: 
Anke van de Weyer
Autorin: 
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova
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