Terrorismus funktioniert, weil er uns alle im Grunde zu Mittätern macht. Das ist sehr zugespitzt formuliert, sicher. Aber im Grunde folgen wir möglicherweise, indem wir Angst haben, indem unsere Regierungen mit Kriegsakten auf Terrorattentate reagieren, einem Drehbuch, das die Drahtzieher blutiger Angriffe für uns geschrieben haben.

Die Terroranschläge in Paris im vergangenen Jahr haben ein Klima der Hilflosigkeit verbreitet. Nicht alle Menschen haben Angst, aber ein allgemeines Unbehagen lässt sich kaum bestreiten. Ein Unbehagen, dass durch die Kriegsrhetorik, die nach den Anschlägen aufflammte, nur noch mehr Nahrung erhielt.

"Frankreich befindet sich im Krieg. Die Attacken vom Freitagabend in Paris und in der Nähe des Stade de France sind Kriegshandlungen."
François Hollande, Präsident Frankreichs

Martin Booms, Philosophie- und Ethikdozent an Unis in Bonn, Berlin und St. Gallen, und Geschäftsführender Direktor der privaten Bonner Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur, kritisiert die Verwendung des Begriffs Krieg im Kontext der Terrorbekämpfung. Warum, hat er im ersten Teil seines Vortrags "Der Terror von Paris und die neue Rede vom Krieg" erläutert.

So funktioniert Terrorismus

In der zweiten Hälfte des Vortrags analysiert er nun die Wirkprinzipien von Terrorismus und welche Rolle unsere Reaktionen und die Reaktionen unserer Regierungen beim Funktionieren von Terrorismus spielen.

"Wir glauben, etwas gegen den Terrorismus zu tun, und genau durch die Art und Weise wie wir es tun, werden wir möglicherweise genau zu Instrumenten."
Martin Booms, Philosoph

Gleichzeitig stellt er Überlegungen an, welche Maßnahmen ergänzend zu militärischen Reaktionen nötig wären, um Terrorismus nachhaltig zu bekämpfen.

"Wenn es nicht gelingt, Menschen, die sich zunehmend in Subsystemen abkoppeln innerhalb einer Gesellschaft, in gesellschaftliche Anerkennungsverhältnisse zurückzuholen, dann können wir noch so viele Bomben abwerfen, es wird die Terrorgefahr nicht verringern."
Martin Booms, Philosoph

Aufgezeichnet wurde der Vortrag am 20.11.2015, im Rahmen der Vortragsreihe "Ethik des Krieges" von Martin Booms, die gemeinsam von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur und der Universität Bonn als Lehrveranstaltung und als öffentliches Kolloquium veranstaltet wird.

Den ersten Teil des Vortrags könnt ihr hier hören: Die neue Rede vom Krieg.

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